Werbinich : Hungrig im Klassenzimmer

Susanne Vieth-Entus

Manchen Schulleitern gelingt einfach alles: Bei ihnen blitzen Flure und Klassenräume, bei ihnen fällt weniger Unterricht aus und die Kinder lernen viel. Neuerdings gibt es noch ein weiteres Kriterium für gutes Schulmanagement: die Teilnahme der Kinder am Mittagessen. Wie berichtet, gibt es Ganztagsschulen, in denen über 40 Prozent der Eltern ihren Kindern kein warmes Essen bezahlen. Andere Schulen im selben sozialen Umfeld haben aber nur Ausfälle von zehn Prozent. Auch hier zeigt sich, dass der Schulleiter der Dreh- und Angelpunkt ist. Erhard Laube von der Spreewald-Grundschule etwa schickt türkisch- und arabischsprachige ABM-Kräfte in die Familien. Sie können den Eltern klar machen, dass es nicht reicht, den Kindern erst am Abend ihr erstes warmes Essen zu geben. Dass eine gemeinsame Mahlzeit das Gruppengefühl stärkt. Dass auch wirklich kein Schweinefleisch verarbeitet wird. Andere Schulleiter überreden den Caterer, einen Teil der Kinder kostenlos mitessen zu lassen. Oder sie gehen an die Grenze der Legalität, indem sie die Aufnahme verweigern, wenn die Eltern keinen Caterer-Vertrag unterschreiben.

Wenn Schulleiter es auf diese Weise schaffen, 90 Prozent der Kinder an die Töpfe zu holen, sollte die Bildungsverwaltung das Problem aber nicht zu den Akten legen: Es muss eine flächendeckende, legale und für die Schulleiter weniger aufwändige Lösung her. Die Politik muss sich entscheiden, ob sie durch eine Schulgesetzänderung alle Eltern an Ganztagsschulen dazu zwingt, Caterer-Verträge abzuschließen oder ob staatliche Zuschüsse der bessere Weg sind.

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