Werbinich : „Ich will keine Betroffenheit schüren“

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Warum haben Sie das Projekt „Sichtbar werden“ entwickelt?

Ich habe Menschen im Abschiebegefängnis besucht. Das war sehr bedrückend. Ich wollte die Informationen, die ich dort erhalten habe, nach außen tragen. Ich wollte, dass diese Schicksale bekannt werden.

Wie haben Sie die fünf Illegalen ausgesucht?

Ich habe sehr unterschiedliche Fälle ausgesucht. Sie entsprechen überhaupt nicht den Klischees. Die „Illegalen“ sind weder besser noch schlechter als andere Menschen. Viele sind hier, um Geld zu verdienen, andere haben Verwandte in Berlin, einige werden verfolgt. Sie leben unter uns. Sie sind Kellner, Bauarbeiter, Babysitter und Putzhilfen.

Wie haben die Schüler, die Sie bisher besucht haben, auf das Projekt reagiert?

Ich bin immer wieder davon überrascht, wie die Schüler mitziehen. Es mag daran liegen, dass ich sie auffordere, zu sagen, was sie denken. Egal was. Ich war noch nie mit rechtsradikalen Parolen konfrontiert. Und das obwohl wir mal in einer Schule waren, wo die NPD auf dem Schulhof Mitglieder rekrutierte.

Was wollen Sie erreichen?

Ich will keine Betroffenheit schüren. Die Schüler sollen eine eigene Haltung einnehmen. Sie sollen ihre eigenen Schlüsse aus den Fällen ziehen, die ich präsentiere. Aber ich dränge sie nicht in eine Richtung. Man kann am Verhalten der Illegalen auch eine Menge kritisieren. Ich versuche, weder juristisch noch moralisch zu argumentieren. Ich will die Realität zeigen.

„Sichtbar werden“ ist ein Projekt von Fabian Hickethier und dem „Antirassistisches Interkulturellen Informationscentrum (Aric)“. Die Unterrichtseinheit kann je nach Bedarf zwischen zwei Stunden und zwei Tagen dauern und ist kostenlos. Wer Hickethier und sein Team buchen will, kann sich anmelden unter 030-30879925. Mehr Infos unter: www.sichtbarwerden.de

Die Fragen stellte Philipp Lichterbeck

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