Werbinich : Im Tandem voneinander lernen

Eine Stiftung führt Schulen zusammen

Katja Gartz

Die Heinrich-von-Stephan-Oberschule möchte von der Erika-Mann-Grundschule lernen, wie ein Ganztagsbetrieb funktioniert, wie Eltern eingebunden werden und wie der Mathematikunterricht durch Kiezbezug für die Schüler spannender werden kann. Die Erika- Mann-Schule interessieren die Erfahrungen der Heinrich-von-Stephan-Schule mit intern entwickelten Testverfahren, mit denen Lehrer ihre Methoden überprüfen und den Unterricht an den individuellen Stärken und Schwächen der Schüler ausrichten können. Außerdem wollen die Schulen voneinander erfahren, wie der Unterricht gestaltet wird und wie hoch die Anforderungen an die Schüler sind, um ihnen den Übergang von der Grund- in die Oberschule zu erleichtern.

Als Tandem nehmen die integrierte Haupt- und Realschule und die Grundschule, die beide seit Jahren als Vorzeigeeinrichtungen gelten, an dem Programm „Schulen übernehmen Verantwortung“ teil, das im Januar von der Stiftung Brandenburger Tor an zehn Schulen in BerlinBrandenburg gestartet wurde. In partnerschaftlicher Zusammenarbeit sollen die Schulen Projekte festlegen, mit denen sie die Qualität verbessern können. Dabei geht es etwa um Schulmanagement, um Lernprozesse sowie um die Zusammenarbeit der Lehrer untereinander sowie mit Eltern und externen Partnern. Leitbild ist, dass die Schule als Institution mit allen Beteiligten Verantwortung für das Gelingen übernimmt.

„Unser Ziel ist ein Netzwerk von Schultandems, die ihre Erfahrungen und Methoden weitergeben“, sagt Sybille Volkholz, Beiratsmitglied der Stiftung Brandenburger Tor der Bankgesellschaft Berlin. Im zweiten Projektjahr soll es 20 Tandems geben, im dritten 50. Die Projektlaufzeit beträgt zwei Jahre, angestrebt wird eine Verlängerung um drei Jahre.

Finanziert wird das Programm durch die Stiftung mit einem Budget von 100 000 Euro. Der Träger organisiert Informationsveranstaltungen, ist für Beratung und Koordination zuständig sowie für die Betreuung von Referenten und Projektergebnissen. Jede Schule erhält 3000 Euro für Materialien und Fortbildungen. Nach gegenseitigen Besuchen und Unterrichtshospitationen bildeten sich in den Kollegien Gruppen, die sich an der Projektarbeit und am regelmäßigen Austausch beteiligen.

Da siebente Klassen Schulen häufig vor Probleme stellen, weil die Schüler unterschiedliche Voraussetzungen besitzen, ist das Projektziel der Erika-Mann- Schule und der Heinrich-von-Stephan- Schule, sich zusammenzuschließen. Sie streben für ihre Schüler eine gemeinsame Schulzeit von der ersten bis zur zehnten Klasse in einer Ganztagsschule an zwei Standorten an. „Bis 2010 wollen wir ein Drittel der Schüler an die Stephan-Schule übergeben“, sagt Karin Babbe, Leiterin der Erika-Mann-Schule. Über die ersten Fortschritte des Projekts „Schulen übernehmen Verantwortung“ wird im Februar Bilanz gezogen.

Dass selbstverantwortlich handelnde Schulen erfolgreicher sind, zeigt die Reform „Autonomie von Schulen“ an den deutschen Schulen in Südtirol. „Autonomie schafft keinen besseren Unterricht, aber bessere Strukturen als Voraussetzung“, sagt Rudolf Meraner, Direktor des Pädagogischen Instituts für die deutsche Sprachgruppe in Bozen. Gemessen an der PISA-Studie seien die Schülerleistungen vom Mittelmaß in sechs Jahren auf den Stand Finnlands geklettert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben