Werbinich : Im Wirbel der Reformen

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Wer glaubte, dass Berlins Schulen schon mitten drin seien im Reformwirbel, wird spätestens im kommenden Schuljahr eines Besseren belehrt. Dann geht es nämlich erst richtig los. Die Grundschulen erwarten nicht nur – wegen der vorgezogenen Schulpflicht – anderthalbmal so viele Erstklässler wie üblich. Sie müssen auch noch etliche weitere Neuerungen verkraften.

Da ist zum Beispiel die neue Schuleingangsphase: In ihr wird der Stoff der ersten beiden Klassen gelehrt – sie kann aber in ein, zwei oder drei Jahren absolviert werden, je nach den Fähigkeiten des Kindes. Das setzt voraus, dass die Lehrer extrem flexibel auf die unterschiedlichen Voraussetzungen der Kinder reagieren können.

Gleichzeitig müssen die Grundschulen zudem alle lernbehinderten Kinder aufnehmen. Denn künftig beginnen die Schulen für Lernbehinderte erst mit der zweiten Klasse. Dies bedeutet nicht nur, dass auch schwierigste Fälle integriert werden müssen. Die Lehrer müssen anfangs außerdem ohne zusätzliche Förderstunden für diese Kinder auskommen – denn es wird keine Förderausschüsse mehr geben, die die Defizite der Kinder feststellen, bevor sie an die Schule kommen. Das wird den Lehrern den Anfang mit den neuen Kindern zusätzlich erschweren.

Und dann sind da noch die Horte, die ab dem Schuljahr 2005/06 in die Verantwortung der Grundschulen übergeben werden. Auch darum werden sich die Schulleiter kümmern müssen: um die passenden Konzepte, um die richtige Nutzung der knappen Räumlichkeiten. Und schließlich beginnt dann die flächendeckende verlässliche Halbtagsgrundschule: Die Lehrer müssen überlegen, wie sie mit den Erziehern zusammen die Zeit sinnvoll nutzen, damit die Kinder nicht nur verwahrt werden, sondern außerdem etwas geboten bekommen.

Das alles auf einmal – ist vielleicht zu viel des Guten. Doch die meisten Schritte waren überfällig. sve

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