Werbinich : Jetzt werden die Schulen auf Trab gebracht

Ein Beratungsteam bietet gezielte Unterstützung, um den Lehrbetrieb moderner zu machen

Susanne Vieth-Entus

Seit einem halben Jahr streifen sie durch Berlins Klassenzimmer: Die so genannten Schulinspektoren sind unerbittlich auf der Suche nach Schwachstellen, besuchen den Unterricht, kontrollieren die Gebäude, stellen Fragen und geben schließlich ihre Bewertungen ab.

„Aber was dann?“, fragten sich in der Vergangenheit viele Schuldirektoren. Wie umgehen mit der Kritik und vor allem: Was soll man tun, um die festgestellten Defizite zu beheben? Für einige Schulen gibt es darauf jetzt eine Antwort: Auf Initiative von Bildungssenator Klaus Böger (SPD) wurde ein Schulberaterteam gebildet, das Kollegien in Zukunft zur Seite stehen soll. Die ersten vier Schulen haben jetzt ihr Interesse bekundet, „gecoacht“ zu werden: Drei Grundschulen und eine Realschule sind die Berliner Vorreiter.

Um das Ganze möglichst praxisnah anzugehen, hat Böger das Projekt einer Schulleiterin übertragen, die selbst vorgemacht hat, wie man eine Schule erfolgreich macht: Birka Schmittke hat in den vergangenen Jahren die Friedrichshainer Georg-Weerth-Realschule derart auf Vordermann gebracht, dass sie beispielsweise vom Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) den Titel der „VBKI-Leistungsschule“ verliehen bekam und sich vor Anmeldungen kaum retten kann. Birka Schmittke ist sicher, dass man jeder Schule helfen kann, wenn Rektoren und Lehrer dafür offen sind.

Zu ihrem Konzept, das mit der für die Inspektionen zuständigen Schulrätin Hannelore Kern erstellt wurde, gehört, dass zwischen dem Team und der jeweiligen Schule ein „Beratervertrag“ geschlossen wird. Dieser Vertrag soll benennen, welche Art der Unterstützung das Kollegium wünscht. Zuvor kann es aus einem Themenkatalog die für seine Belange wichtigsten Bausteine heraussuchen. Zur Auswahl stehen:

Hilfe beim Benennen von kurz-, mittel- und langfristigen Zielen. Zielvereinbarungen zwischen Schulleitung und Lehrern, zwischen Schule und Eltern, Lernvereinbarungen zwischen Lehrern und Schülern.

Um die Mitarbeiterführung zu verbessern, wird erst einmal ermittelt, welche Stärken ein Lehrer überhaupt hat – sowohl fachlich als auch sozial, damit man ihn entsprechend seiner Fähigkeiten einsetzen kann.

Fortbildungen zu neuen Unterrichtsmethoden und zu verbessertem Medieneinsatz.

Damit die knappen Personal- und Geldressourcen optimal eingesetzt werden können, wird das Zeit- und Arbeitsmanagement optimiert.

Die Schule erfährt, wie sie in Kontakt zu Wirtschaftsunternehmen und kommunalen Einrichtungen treten kann, wie Netzwerkarbeit und Pressearbeit funktionieren.

Inzwischen haben schon drei von vier Schulen einen Vertrag mit den Beratern unterschrieben. Der Schwerpunkt der Beratung wird demnach bei der Verbesserung der Unterrichtsmethoden liegen. Auch die Frage, wie man die Schüler zu selbstständigen Lernen motivieren kann, wird eine große Rolle spielen.

Nach dem Ende der halbjährigen intensiven Beratung wird der Kontakt zwischen Coaches und Schulleitern aber nicht abrupt abgebrochen. Die Schulen bleiben im Netzwerk und können bei Bedarf „wiederholt punktuell Hilfe einholen“, heißt es in dem Konzept. Für eine weitere intensive Beratung haben die Schulcoaches dann aber keine Zeit mehr, weil sie sich ja den neuen Vertragsschulen zuwenden müssen.

Insgesamt hat der Bildungssenator für die Schulberatung drei Stellen zur Verfügung gestellt, die auf vier Pädagogen verteilt sind. Birka Schmittke wird nicht mit ganzer Stelle im Projekt beteiligt sein. Denn sie ist inzwischen zur Schulrätin in Steglitz-Zehlendorf befördert worden.

„Dreh- und Angelpunkt eines erfolgreichen Coachings ist, dass der Schulleiter voll dahinter steht. Er muss die Fäden in der Hand halten, er soll am Ende der Beratung das Potenzial seines Kollegiums genau kennen“, sagt Schmittke. Er müsse auch dafür Sorge tragen, dass die Kollegen genau die Fortbildungen bekommen, die sie brauchen und entsprechend im Unterricht entlastet werden.

Welche große Rolle die Schulleiter spielen, wird schnell deutlich, wenn man sich Berlins erfolgreichste Schulen ansieht: Meist ist der Schuldirektor der Motor für die Veränderungen. Er ist es auch meistens, der seine Schule gut nach außen vertritt, der es auch schafft, die nötigen Gelder für die Reformen vom Bezirk zu bekommen. Wenn ein Schulleiter es sich nicht zutraut, diese wichtige Rolle erfolgreich auszufüllen, hat er inzwischen nicht nur die Möglichkeit, eine Fortbildung in Sachen „Schulmanagement“ an der Universität Potsdam zu bekommen. Er kann auch von Schmittkes Schulberatern ein individuelles Coaching erhalten. Auch das gehört zur Angebotspalette.

Infos bei der Bildungsverwaltung oder direkt bei Birka Schmittke unter Telefon 030-90299-7303

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