Jugend denkt über den Tod nach : Toter Mann kommt

Noch nie hatte ich über die Todesstrafe nachgedacht. dann kam die Ethiklehrerin mit diesem Film herein. Ich war total schockiert, schreibt Ida, 15 Jahre

Ida Lieback
Nein und nochmals nein zur Todesstrafe!
Nein und nochmals nein zur Todesstrafe!Foto: Kai-Uwe Heinrich

Sonniger Schultag, kurz nach Beginn der Ethik-Stunde. Die Lehrerin kommt, strahlend, mit einer DVD in der Hand. Erster Gedanke: Och nee. „Grandioser Film!“ ruft sie. DVD rein, Fernseher an. Die meisten legen den Kopf auf die Arme. „Weck mich, wenn’ zu Ende ist“, wird noch schnell geflüstert. „Dead Man Walking“ heißt der Film. Eine Frau im Auto. Dann Kinder. Was soll das? Plötzlich: Gefängnis. Missbrauch, Mord? Die waren so alt wie ich? Der hat die vergewaltigt? Umgebracht?

Noch nie habe ich mir wirklich Gedanken über die Todesstrafe oder über solche Gewaltverbrechen gemacht. Einfach mit so harten Themen konfrontiert zu werden, ist erst mal ziemlich krass. Aber der Film ist wider Erwarten echt gut. Und ich beginne, über das nachzudenken, was ich da sehe. Die Todesstrafe soll über diesen Mörder verhängt werden. Halt, stopp, noch mal zurückspulen! Die Todesstrafe? Aber… Das können die doch nicht machen! Egal, was dieser Mann getan hat, aber die Todesstrafe?! Geschockt sitze ich da. In meinem Kopf rattert es. Nicht nur, dass ich gerade viele Details höre, die mir Albträume machen könnten, nein, jetzt wollen die ihn auch noch umbringen! Ich versteh’s nicht. Ja, dieser Mann da ist anscheinend ein Mörder – auch, wenn er es leugnet – aber ist es nicht genauso Mord, wenn man jetzt die Todesstrafe über ihn erhängt? Wollen die Mord mit Mord rächen? Das ist so unlogisch. Es verstößt gegen die Menschenrechte, einen anderen Menschen zu töten! Ist doch egal, was der vorher getan hat, der Staat muss Würde zeigen und es besser machen!

Ich bin gefesselt. Die Doppelstunde Ethik vergeht wie im Flug. Das Ende des Films naht. Mir wird ganz kalt, als ich die Fotos vom Tatort sehe. Das ist ja echt schrecklich! Und dann, dann wird der Mörder – der ja jetzt gestanden hat, dass er es war – in den Raum geführt, in dem er sterben soll. „Toter Mann kommt“, ruft einer der Wachleute. Der Mörder betritt den Raum. Er weiß, dass er jetzt sterben wird. Das hat kein Mensch verdient! Er richtet das Wort an die Angehörigen seiner Opfer, die im Nebenraum sitzen und zuschauen. Er bittet um Vergebung. Das heißt doch, dass er sich gebessert hat! Warum geben sie ihm die Spritze dann doch? Als der Film zu Ende ist, sitze ich immer noch da. „Dead Man Walking“ hat mich echt zum Nachdenken gebracht. Das so was überhaupt erlaubt ist! Nein, das geht nicht.

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