Jugend denkt übers Alter nach :

In Friedrichshain lebt es sich prima. Nur - wo sind die ganzen alten Leute geblieben, fragt sich Henrik, 17 Jahre

Henrik Hölzer
So wird Henrik mal aussehen, nur nicht so klein. Seine Großeltern haben früher auch in Friedrichshain gewohnt.
So wird Henrik mal aussehen, nur nicht so klein. Seine Großeltern haben früher auch in Friedrichshain gewohnt.Foto: privat

Es klingt jetzt bestimmt nicht überraschend für die, die mich kennen. Aber ich muss es doch einfach mal sagen: Ich könnte mir keinen besseren Ort zum Leben und Wohnen vorstellen als Friedrichshain! Ich bin mitten in der Stadt und kann alles gut mit den Öffentlichen oder per Fahrrad erreichen. Ein Abend mit ein paar Freunden an der Spree, treffen auf ein Bierchen im Volkspark Friedrichshain, Spontikonzerte besuchen. Irgendwas geht immer... An das Altwerden denkt man hier weniger. Es ist doch gerade viel zu schön, als dass man mit düsteren Gedanken dem Lebensende entgegengrübeln müsste. Klar, irgendwann wird sich jeder mal mit dem Thema befassen müssen, aber das hat Zeit. Hier regiert das Jetzt und Heute.

Egal  zu welcher Tages- oder Nachtzeit ich unterwegs bin, immer treffe ich jemanden.

Aber bei alldem frage ich mich schon, wo sind denn eigentlich die betagteren Anwohner? Ist mein Tagesrhythmus ein ganz anderer? Gibt es sie einfach nicht mehr in meinem Bezirk voller junger Menschen? Wurden sie vertrieben durch die viel beschriebene Gentrifizierung? Der Kiez, in dem ich wohne, verändert sich immer schneller. Junge Menschen und Familien ziehen hier her, sofern sie es sich leisten können. Neuer, moderner Wohnraum entsteht, und man wird gemeinsam alt. Taufrische Architektur bestimmt das Bild im Kiez. Über diese Konzepte lässt sich natürlich streiten, aber Fakt ist, dass es immer weniger Platz für ältere Dinge gibt. Man präsentiert sich lieber modern oder übermalt alte Fassaden farbenfroh, aber dabei hat das Alte, Individuelle, über Jahrzehnte Gelebte doch auch seinen Reiz. Ich wohne mit meiner Familie in einem Haus, das beide Weltkriege überstanden hat, aber ziemlich mitgenommen wurde. Ich bin mir sicher, wenn die Wände hier sprechen könnten, hätten sie viel zu erzählen. Genauso könnten die älteren Menschen mit ihren Erfahrungen und Geschichten die Gemeinschaft inspirieren. In unserem Haus gibt es das noch. Und auch in der Nachbarschaft lebt eine ältere Dame, die unglaubliche Geschichten der Straße und der Bewohner erzählen kann. Wie schön...

Henrik Hölzer, 17 Jahre

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