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Jugend macht Politik : "Manche haben ihren Handballverein, ich bin bei den JuLis"

31.10.2012 11:49 UhrVon Laurence Isabelle Stroedter
Die sehen doch ganz normal aus: der Bundesvorstand der Jungen Liberalen.Bild vergrößern
Die sehen doch ganz normal aus: der Bundesvorstand der Jungen Liberalen. - iFoto: Philipp Wehrend / Junge Liberale e.V.

Laurence Isabelle Stroedter, 18, war erstaunt, wie wenig junge Anzugträger sie bei den jungen Liberalen getroffen hat.

Es ist einer der letzten warmen Tage. Alle Welt zieht es nach draußen, in Stadtparks und Strandcafés. Doch Ise Schmidt und ihre Mitstreiter haben etwas anderes vor. Die 27-jährige ist im Landesvorstand der Jungen Liberalen Berlin, dynamisch abgekürzt zu JuLis. Sie ist auf dem Weg zu ihrem Stammtisch.

 Normalerweise trifft man sich dazu abends in Restaurants oder Bars, doch um den jüngeren Mitgliedern zeitlich und finanziell entgegenzukommen, findet die Veranstaltung heute in der repräsentativ neben der Friedrichstraße gelegenen Landesgeschäftsstelle in der Dorotheenstraße statt. Die Mitglieder sitzen verstreut in einem schlichten Raum, vom Anzugträger bis hin zur Jeans- und Sweatshirt-Kombination sind alle da; wer nach Klischees sucht, der findet sie hier.

Kleine Gruppen unterhalten sich. 14- bis 20-jährige Schüler, Studierende mit politischen Visionen, wissenschaftliche Mitarbeiter aus dem Bundestag. Man kennt sich und hat keine Namensschilder nötig, ebenso wenig Programm oder Tagesordnung. Die JuLis reden in den Abend hinein, jeder wie er mag. Denn wie sagt Ise Schmidt: „Manche haben ihren Handballverein, ich bin bei den Julis“.

 ,,Themen werden nur manchmal beim Stammtisch besprochen“, erklärt Ise Schmidt. Stattdessen sollen neue Mitglieder vorgestellt, und der Zusammenhalt gestärkt werden. Die inhaltliche Auseinandersetzung findet in anderen Gremien statt. Monatliche Treffen der Bezirksverbände und des Landesfachausschusses, der Landeskongress dreimal jährlich und ähnliche Veranstaltungen sorgen dafür, dass die Diskussion nicht zu kurz kommt.

 Je nach persönlichem Engagement kann man dabei auf ein unterschiedliches Pensum kommen. Der 30-jährige Justus Leonhardt investiert in seiner Rolle als Vorsitzender des Bezirksverbandes Mitte offenbar ziemlich viel Zeit. Er möchte sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen und „keine Lobbyarbeit bestreiten“, betont er und weiß dennoch, dass die FDP wohl „mehr mit Klischees zu kämpfen“ hat als andere Parteien.

 Überhaupt die anderen. Den Austausch mit anderen Jugendorganisationen der Parteien finden viele spannend. Mit anderen politisch interessierten Jugendlichen, egal, welcher Fasson, diskutiere es sich mit deutlich mehr Inhalt und weniger Polemik, sagen sie. Das kann auch ganz anders aussehen. Während des Stammtisches laufen ein paar Fußgänger vorbei und beschimpfen die draußen stehenden Mitglieder.

 Doch früh übt sich gegen Kritik, wer seine Politik einmal durchsetzen will. Diese Erfahrung macht auch der 14-jährige Marvin. Seiner Meinung nach lebt die Demokratie gerade von den Jungen und deren Einsatz. Während seine Großeltern treue FDP-Wähler sind, grenzen sich manche JuLis mit ihrer Mitgliedschaft von ihren eher links eingestellten Familien ab. Zum Beispiel Susanna Jones, 21 Jahre, deren Vater Politiker einer linken Partei ist: „Durch die Jungen Liberalen habe ich endlich die richtigen Argumente für eine Diskussion mit ihm gefunden.“

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