Jugend und Datenüberwachung : Finger weg von meiner Privatsphäre!

Es sind zwar keine weltbewegenden Nachrichten, die wir uns gegenseitig schreiben. Aber manchmal möchte man doch wissen, dass wirklich kein Dritter erfährt, was man vertraulich mitteilt, findet Shirley, 17 Jahre.

Shirley-Uloma Kastell
Shirley will keine Mitwisser.
Shirley will keine Mitwisser.Foto: privat

Facebook, E-Mails, SMS – für mich und meine Freunde gibt es unendlich viele Möglichkeiten, uns permanent über die neusten Ereignisse zu informieren. Wenn ich zum Beispiel gerade beim Friseur war, müssen meine Freunde nicht bis zum nächsten Tag in der Schule warten, um das Ergebnis zu sehen. Mit einem Klick haben sie ein Foto der neuen Frisur auf ihrem Handy. What´s App sei dank!
Am Nachmittag oder Wochenende, also in der Zeit, in der wir streckenweise voneinander getrennt sind, zückt jeder das Smartphone, und schon geht die Schreiberei los. Oft geht es nur um Belangloses. Kein Problem, wenn diese Information auch mal an jemanden gelangen, für den sie eigentlich nicht bestimmt sind.
Aber es gibt auch die Tage, an dem etwas passiert, das von großer Bedeutung ist – und dann wird es ernst. Wenn mir eine Freundin mitteilt, dass ihr Vater die Mutter mit einer Jüngeren betrogen hat, ist der Punkt erreicht, an dem Geheimhaltung oberste Priorität hat. Es müssen ja nicht alle gleich über alles Bescheid wissen – und wenn doch, dann nur, wenn meine Freundin oder ihre Eltern das wollen. Doch egal wie verschwiegen ich mich dieses Geheimnisses annehme, auf einmal kommen Dritte ins Spiel. Wie wir spätestens seit Snowdens Enthüllungsberichten wissen, stehen irgendwo auf der Welt hunderte von Computern, die alle digitalen Nachrichten abfangen, speichern und auswerten. Das hat auf meine Freundin und ihre Eltern wenig Auswirkungen – aber würde ich im realen Leben einfach einem Wildfremden in der U-Bahn mein ganzes Leben anvertrauen? Und da soll es nun in Ordnung sein, wenn irgendwelche Geheimdienstler alles erfahren, was ich meinen engsten Freunden anvertraue? Ich finde nicht und überlege allmählich ernsthaft, ob ich nicht wieder auf das gute alte Briefeschreiben umsteige.

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