Jugend und Engagement : „Wir kämpfen alle für ein Ziel“

Laurence, 18, hat demnächst ihr Abitur und will wissen, wie sie sich für eine bessere Welt engagieren kann. Deshalb sprach sie mit Adriana Hennawi, 31, die im Generalsekretariat  von Amnesty International Deutschland für die internationale Kommunikation zuständig ist.

Laurence Stroedter
Adriana Hennawi (dunkle lange Haare, vorne in der Hocke) in Ghana.
Adriana Hennawi (dunkle lange Haare, vorne in der Hocke) in Ghana.Foto: AI

Frau Hennawi, wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich für die Menschenrechte einzusetzen?

Hennawi: Durch unterschiedliche Aufenthalte im Ausland ist mir sehr früh bewusst geworden, wie elementar die Menschenrechte sind. Die Menschenrechte sind die Grundlage unseres Daseins, wo sie nicht gewahrt werden, entzieht man Menschen den Boden. Dagegen wollte ich etwas tun.

Seit 2009 sind Sie hauptamtlich für Amnesty International tätig.

Vor ungefähr zehn Jahren habe ich angefangen, mich ehrenamtlich bei Amnesty zu engagieren. Ich wollte endlich einen aktiven Beitrag leisten. Nach anderen Stationen in meinem Berufsleben  wusste ich, dass ich mich auch hauptamtlich bei Amnesty engagieren möchte.

Wie sah Ihr Ausbildungsweg aus?

Nach dem Abitur habe ich Völker- und Europarecht studiert. Wie viele meiner Kommilitonen konnte ich mir vorstellen, in der internationalen Politik zu arbeiten, Ich wollte auch gerne in einem Bereich  tätig sein, indem ich meine Sprachkenntnisse einbringen kann.

Welche Fähigkeiten und Charaktereigenschaften muss man für Ihren Beruf mitbringen?

Man sollte sich in internationaler Politik auskennen. Ehrenamtliche Erfahrungen sind von Vorteil. Außerdem sollte man belastbar, durchsetzungsfähig, flexibel und offen anderen Kulturen gegenüber sein.

Wie muss man sich Ihre tägliche Arbeit vorstellen?

Einen typischen Arbeitstag gibt es bei Amnesty International nicht. Als Koordinatorin für die internationale Kommunikation von Amnesty in Deutschland arbeite ich eng mit unserem  Hauptsitz in London sowie anderen Amnesty Sektionen weltweit zusammen. Es geht hauptsächlich um die Positionierung zu unterschiedlichen Menschenrechtsthemen und der zukünftigen Strategie von Amnesty International. Hinzu kommen Projekte wie aktuell mit Amnesty Ghana. Diese internationale Zusammenarbeit ist uns sehr wichtig, da wir eine  weltweite Menschenrechtsorganisation  „One Amnesty“ sind.

Wie viele Mitarbeiter hat Amnesty International Deutschland ?

Ich bin eine von ca. 70 hauptamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen bei Amnesty International Deutschland .

Was können Sie über das Projekt mit Ghana erzählen?

Das ist ein Partnerschaftsprojekt zwischen Amnesty Ghana und Amnesty Deutschland, das seit Anfang 2011 besteht. Ganz wichtig ist uns dabei, dass beide Seiten gleichermaßen von der Kooperation profitieren. In Workshops und Trainings betreiben wir z. B. Menschenrechtsbildung und tauschen  uns  darüber aus, wie wir die Arbeit vor Ort besser strukturieren können. Diese Partnerschaften  stärken sehr den Zusammenhalt zwischen einer nördlichen und südlichen Amnesty Sektion. Und wir erhalten  einen zusätzlichen  Eindruck von den Menschenrechtsthemen in Ghana wie den rechtswidrigen Zwangsräumungen in  Slums sowie der Abschaffung der Todesstrafe.

Was war ein einschneidendes Ereignis, das Ihnen in ihrer Arbeit für Amnesty passiert ist?

Das war 2011, als ich mit ghanaischen Kollegen den Slum „Old Fadama“ in der  Hauptstadt Accra besucht habe. Die Lebensbedingungen dort sind sehr schlimm, es gibt keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser oder sanitären Anlagen. Tagtäglich kämpfen die Menschen, um  unter diesen Bedingungen zu überleben. Sie leben ständig in der Angst, rechtswidrig aus diesem Slum vertrieben zu werden. Gleichzeitig versuchen sie mit all ihrer Kraft, ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen und sie in die Schule zu schicken, denn nur Bildung kann ihr Schicksal verändern  Mich hat die unglaubliche Willenskraft der Menschen in diesem Slum beeindruckt.

Und das positivste Ereignis?

Menschenrechtsarbeit ist sehr energieaufwendig. Wenn ich dann sehe, wie viele Menschen sich ehrenamtlich bei unseren Mitgliederaktionen engagieren, finde ich das sehr beeindruckend. Dieser Zusammenhalt, der auch bei unseren internationalen Treffen deutlich wird, motiviert mich sehr. Wie unterschiedlich wir auch kulturell sind, wir alle kämpfen für ein Ziel: wir setzen uns für den Schutz der Menschenrechte weltweit ein

Was können Jugendliche tun, um sich für die Menschenrechte zu engagieren?

Junge Menschen sind unsere Zukunft,  ihr  Engagement ist uns sehr wichtig. Jeder kann sich ganz einfach für die Menschenrechte einsetzen, z.B. indem man online einen Einzelfall oder eine Petition unterstützt. Außerdem starten wir in dringenden Fällen von Menschenrechtsverletzungen unsere “Urgent Actions“, bei denen jeder mithelfen kann.

Am meisten freuen wir uns natürlich, wenn man Mitglied bei Amnesty International wird und uns bei Aktionen deutschlandweit hilft. Je mehr Leute mitmachen, umso mehr öffentlichkeitswirksamen Druck können wir ausüben. Mitglieder können auch gemeinsam eine Jugend- oder Hochschulgruppe gründen und  eigene Aktionen starten. Wir freuen uns über jeden  Einsatz der Jugend-und Hochschulgruppen. Wer sich bei Amnesty engagieren will, findet auf unserer Homepage alle Mitmach-Möglichkeiten:

www.amnesty.de

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