Junge Schreiber : Unsere Poeten: Bianca Körner

Wir stellen Euch unsere Vielschreiber-Poeten vor: Wie kamen sie zum Schreiben und wie leben sie? Den Anfang macht Bianca Körner.

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Bianca Körner, 17. Sie schreibt bis zu zehn Gedichte am Tag.Foto: Thilo Rückeis

BIANCA KÖRNER, 17


Manchmal schreibt sie zehn Gedichte am Tag und manchmal ein halbes Jahr lang nichts. Gedichte kommen einfach, immer dann, wenn ein Gefühlschaos da ist und formuliert werden will. „Was raus muss“, sagt Bianca, „das wird auch richtig gut.“ Sie hat sehr große, sehr hellblaue Augen. Ein gutes Gedicht, sagt sie, ist eins, das transportiert, was sie beim Schreiben gefühlt hat. „Das Innere nach außen kehren“, so nennt sie das. Eigentlich total privat, das Ganze. Darum zeigt Bianca ihre Gedichte auch niemandem. Jedenfalls nicht ihren Freunden und auch nicht ihrer Familie. „Die Leute, die das in der Zeitung lesen, die kennen mich ja nicht.“ Manchmal aber erkennt jemand sich selbst in Biancas Versen: „Klar und deutlich / sehe ich dich vor mir / Du hättest die Nacht wach gelegen. / Hättest keinen Schlaf gefunden. / Jetzt liege ich die Nacht wach / und finde keinen Schlaf, / sehe dich klar und deutlich / vor mir.“ Liebe kennt schließlich jeder. Zweimal hat Bianca schon Leserpost bekommen, nach Müggelheim hinter Pankow. Das erste Mal hat ihr ein Mädchen geschrieben, das sich „total berührt“ fühlte, das zweite Mal eine Frau. Sonst gab es keine Reaktionen, wenn man diese Mitschülerin mal ausnimmt. Die kam in der Pause zu Bianca und fragte, ob die Texte in der Zeitung von ihr seien. Ja, sind sie. Aha. Und das war’s auch schon. So ist das eben mit Gedichten: Manchmal erkennen sie dich nicht.


Und das ist ein Gedicht von Bianca Körner, das sie uns geschickt hat. Viel Spaß.

Nichts

Du kannst mich nicht verletzen
Du kannst mich nicht berühren
Du kannst mich nicht fühlen
und du kannst mich nicht besitzen.

Raub mir meine Träume
Stehl mir einen Kuss.
Aber es wird nichts bedeuten,
wenn ich es nicht zulasse.

Du bist nichts für mich.

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