Karikaturist : Schwarz auf Weiß

Unter Karikaturen leiden meist nur Politiker. Im Bundespresseamt können sich aber auch die Besucher karikieren lassen. Unsere Autorin Moza Troni traf den Zeichner.

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Lebst du noch oder karikierst du schon. Der Karikaturist im Bundespresseamt erheitert die Besucher mit seinen ZeichnungenFoto: Matthias Riens

Man mag es kaum glauben, dass ein einfaches Schwarzweiß-Bild so eine Wirkung hat. Wir haben uns an das Bunte gewöhnt – ob im TV oder bei den Bildern in unserer Digitalkamera. Und das gefällt uns. Was wir weniger mögen sind unsere kleinen äußerlichen Mängel, die wir gerne vertuschen würden. Egal ob Hakennase, Hasenzahn oder Schumi-Kinn – all diese Dinge sind charakteristisch, dienen aber oft als Vorlage für Karikaturisten, die mit dem Aufdecken unserer „Problemzonen“ ihr Geld verdienen. Ferdinand Georg ist so ein Karikaturist und präsentiert seine Arbeit im Bundespresseamt. Er wird mir jetzt Rede und Antwort zu diesem Thema stehen: Seit wann arbeiten Sie als Karikaturist und für wen? Als semiprofessioneller Karikaturist arbeite ich seit meinem 6.Lebensjahr, weil ich schon immer gerne Gesichter gezeichnet habe. Ich habe früher die Leute angestarrt, weil ich die Gesichter so interessant fand. Und dann habe ich teilweise sie auswendig gelernt und zu Hause aus dem Gedächtnis nachgezeichnet. Das habe ich so immer als kleine Übung ehrgeizig betrieben. Aber professionell in dieser Form mache ich das jetzt im dritten Jahr. Sie sagten, Sie fanden schon als Kind Gesichter so interessant. Was ist für Sie das Besondere am Karikaturisten-Dasein? Wenn ich jemanden zeichnen soll, überlege ich erst ein paar Sekunden lang, woran würde ich denjenigen nach 10 Jahren wiedererkennen? Was ist charakteristisch? Was ist beeindruckend? Und auch, was hat er/sie, das andere nicht haben. Was geht aus der Regel aus der Norm, dass man aufgreifen kann um es zu übertreiben. Das ist die Satire mit dem Strich. Was sollte man beim Karikaturzeichnen beachten? Zum einen ist die Wiedererkennung der Person oberstes Ziel, aber auch die Übertreibung im humorvollen Sinne. Allerdings gibt es Karikaturisten, die das auf bösartige Weise machen. Ich versuche immer das Positive oder das Lustige so zu übertreiben, dass niemand verletzt ist. Merken Sie den Karikierten an, ob sie von der Karikatur begeistert sind oder nicht? In der Regel verstecken viele die Reaktion hinter Höflichkeit. Aber ich denke, dass ich mir immer ein bisschen Mühe gebe, höflich und freundlich zu bleiben, sodass die meisten positiv reagieren. Also auch nicht gespielt positiv. Wie würden Sie Ihren Job beschreiben? Es ist für mich selbst Entspannung, Training und das ist eine ganz besondere Ebene der Kommunikation, die ich zu den Menschen aufbauen kann. Was war ihr interessantes Erlebnis, das Sie als Karikaturist erlebt haben? Ich habe die schöne Erfahrung gemacht, dass meine Arbeit die Leute in eine Art Begeisterung versetzten kann, sie sehen wie schnell und wie treffend das sein kann. Dass ich meinen Beitrag im sozialen Bereich leisten kann auf einem kulturell hohen Niveau, begeistert mich. Gibt es jemanden, den Sie gerne karikieren würden? Vielleicht eine Berühmtheit? Ne, ich bin da eigentlich nicht wählerisch. Wenn ich aber manche Leute sehe, habe ich große Lust sie zu zeichnen, weil der Charakter, der aus dem Gesicht spricht so interessant ist. Sie sind ein „Bestell-Karikaturist“ der auf Messen, Veranstaltungen und . Hochzeiten arbeitet. Kann man davon leben oder haben Sie einen weiteren Job? Ja! Ja, es lässt sich davon leben. Aber ich habe nebenher noch einen freien Beruf. Den habe ich studiert und bin begeistert dabei. Ich bin Architekt. Das ist ein schöner Ausgleich. Diese beiden Berufe kombinieren sich sehr gut. Karikaturist bin ich am Wochenende oder am Abend. Und den anderen Job kann ich nach Wahl intensiv oder weniger intensiv ausüben. Sind diese Berufe nicht sehr gegensätzlich? Ja, allerdings ist mein Schwerpunkt als Architekt ist die Konzeptphase. Ich mache Entwürfe, Konzepte, Präsentationen und Visualisierung- das heißt ich zeichne die Darstellung von Ideen. In sofern liegt das eng beieinander, weil das die kreative Phase in der Architektur ist. Wurden Sie denn selbst karikiert und hat es Ihnen gefallen? Ja, von den Herrn Helieger aus Berlin. Er ist auch Schnellzeichner. Er ist ein sogenannter Weltrekordhalter im Schnellzeichnen. Mit ihm habe ich einmal zusammengearbeitet bei einem Event und da hat er mich anschließend auch nochmal gezeichnet. Das hat mir sehr gut gefallen.

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