Kartenspiel : Leg’ die Döner auf den Tisch!

Autoquartett? Ach, kennt ja jeder. Viel lustiger ist das Dönerquartett aus Berlin.

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Was wurde im Kindergarten gezockt! Knallharte Duelle und Wortgefechte und immer Hoffnung auf die beste Karte. „Autoquartett“ lief so ab – einer rief: „Opel Kadett C, Baujahr ’78 und 150 PS!“ Daraufhin zupfte der andere seine Karte hervor und antwortete grinsend: „Tja, Mercedes-Benz, Modell 280 SE. Mit 177 PS!“ Weg war sie, die Kadett-Karte.

Auf Spielplätzen hockt man abends eher selten, dafür umso öfter in Dönerbuden. Und so kamen auch ein paar Studenten aus Hannover auf die Idee, ein Quartett mit – genau! – „ Berliner Dönerbuden “ herzustellen (sie sollen bei ihrer Idee allerdings nicht mehr ganz nüchtern gewesen sein, sagen sie).

Also schnell in die Karten geschaut: „Süd Bistro, Kreuzberg, Döner: 2,30 Euro“. Null Chance gegen „Balli Imbiss“ in Neukölln! Der ist mit zwei Euro billiger. Weiter geht’s, nächste Rubrik: „Balli Imbiss, Anzahl der Brüder: 7“. Nicht übel, doch auf der Karte von „Rahmi’s Imbiss“ am Ostbahnhof steht: „Anzahl der Brüder: 11“ (und der kleine Hinweis: „Rahmi hat auch noch zehn Schwestern!“). Aus 32 Karten besteht das Spiel, die anderen Kategorien heißen „Theken-Schalen“, „Öffnungszeiten“ oder „Gründungsjahr“.

Die Legende besagt, dass der erste Döner im März 1971 bei „Hasir“ in der Kreuzberger Adalbertstraße verkauft wurde (eine echte Trumpfkarte!). „Döner“ kommt von „döndurmek“, was auf Deutsch so viel heißt wie: „drehen“. Und weil sich der Spieß bekanntlich nicht nur dreht, sondern das Fleisch dabei auch gebraten wird, stammt daher der „Kebab“. Das heißt auf Deutsch: „das Gebratene“.

Man lernt so einiges bei diesem Kartenspiel. Zum Beispiel, dass in der Vitrine bei „Kaplan“ in Wedding 37 Thekenschalen stehen und damit so viele wie in keiner anderen Bude Berlins. Doch nicht alles ist so eindeutig geregelt: mancher Imbissbudenchef gibt bei der Zahl der Brüder „ca. 3“ an. Auch bei den Entfernungen bis Istanbul, im Schnitt knapp 2200 Kilometer, ist eine Taktik schwer zu bestimmen, meist sind es nur wenige hundert Meter Unterschied.

Beliebt ist der Döner vor allem in Berlin. Man sagt, dass es in der Stadt 1300 Dönerbuden gibt und damit mehr als in Istanbul. Tag für Tag sollen in Deutschland fast 1,2 Millionen Kebab gegessen werden (obwohl der ja drei Mal so viele Kalorien haben soll wie ein Hamburger). Die Macher des Spiels, die Agentur Pool 72 Intermedia Design, sind begeistert und verkünden: „ Berlin ohne Döner wäre wie München ohne Weißbier .“ Allerdings wohnen sie lieber in Hannover. Schön also, dass sie ihr Kartenspiel in Berlin gelassen haben. AG

Das „Berliner Dönerbuden-Quartett“ wird von der Agentur „Die Gestalten“ für 9,90 Euro vertrieben. Wer die ISBN- Nummer 3-89955-049-8 angibt, bekommt es im Buchhandel – oder zum Beispiel direkt im „Bücherbogen“ am S-Bahnhof Savignyplatz.

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