Werbinich : Kitas nur noch für die Kleinen

Einrichtungen bangen um ihre Existenz

Susanne Vieth-Entus

Auch die Eltern von kleineren Kindern sind verunsichert. Denn die Umstellung der Grundschulen auf Ganztagsbetrieb hat auch Auswirkungen für die Kindertagesstätten (Kitas). Wenn ab August 2005 die Hortplätze an die Schulen verlagert werden, gehen den Kitas die sechs- bis zehnjährigen Kinder verloren. Die dadurch frei werdenden Plätze sollen laut Plan der Schulverwaltung an kleine Kinder vergeben werden. Wenn die allerdings fehlen, müssen Einrichtungen schließen.

Darüber hinaus will das Land Berlin bis 2007 zwei Drittel der öffentlichen Krippen und Kitas mit Kindern unter sechs Jahren an freie Träger wie Kirchen oder Rotes Kreuz übergeben. Für die Eltern ändert sich dadurch wenig. Ein Platz in einer staatlichen Kita kostet genauso viel wie zum Beispiel in einer evangelischen Einrichtung. Aber für das Land wird es billiger, wenn Berlin nicht mehr ganz für die Kitas aufkommen muss.

Auf diese Neuerungen haben sich SPD und PDS im Koalitionsvertrag geeinigt. Da sich die verschiedenen Veränderungsprozesse überlagern, ist die Situation im Moment besonders schwer zu durchschauen. Zusätzlich gibt es Probleme: Denn die Übertragung der Kitas an nicht-staatliche Organisationen geht nur schleppend voran, was zum einen daran liegt, dass sich der Senat lange Zeit nicht darauf verständigen konnte, die Immobilien der Kitas an die privaten Träger zu überschreiben. Dies aber ist notwendig, damit die Immobilien beliehen werden können. Andernfalls könnten die Organisationen die dringend notwendigen Sanierungen nicht bezahlen. Dieses Problem ist inzwischen ausgeräumt. Aber es gibt noch weitere Schwierigkeiten. So müssen die Erzieher dem Trägerwechsel zustimmen, wobei sie den großzügigen Kündigungsschutz riskieren, den sie als öffentlich Bedienstete genießen.

Auch der Verzicht der freien Träger auf die Betreuung der Schulkinder läuft nicht reibungslos. Längst nicht alle sind bereit, statt für Schulkinder plötzlich für kleine Kinder zu sorgen. Insbesondere Schülerläden haben damit Probleme, weil ihr pädagogisches Konzept auf die Sechs- bis Zehnjährigen ausgerichtet ist. Und Eltern, die liebevoll ihre Schülerläden ausgestattet und engagierte Erzieherinnen gefunden haben, wollen nicht großen anonymen Schulhorten angegliedert werden. Die Schulverwaltung will Ausnahmen zulassen: Schülerläden können als freie Horte weiterexistieren, wenn sie es schaffen, mit Grundschulen zu kooperieren.

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