Kolumne: Was machen wir JETZT? : 30 Cent gewinnen

Zockst du gerne? Das fragte Björn Stephan vergangene Woche. Unsere Kolumnistin antwortet ihm heute.

Constanze Bilogan
Foto: dpa

An einem Sonntag war ich beim Pferderennen in Hoppegarten. Hut auf, kleines Schwarzes an und mit der S-Bahn in die Parallelwelt der schnellen Autos, teuren Klepper und schicken Menschen getingelt. Bratwurst 3,50 Euro, Bowle fünf Euro, Pferd 1 500 000 Euro. Vierbeiner names Owambo Queen oder Shot to Nothing rennen sich die Hufe wund, auf dem Rücken winzige Männer, die sie mit Gerten antreiben. Ich kann mir unmöglich vorstellen, dass das dem Pferd Spaß macht. Um mich von meiner der Tierliebe geschuldeten Entrüstung abzulenken, versuchte ich es mit Wetten.

Insgeheim zocke ich nicht nur gerne an Konsolen alles von Ballerspiel über Fantasy bis hin zu Autorennen, dazu kalte Pizza und Kaffee. Ich mag alle Spiele mit etwas Risiko und Nervenkitzel, nur trauen tue ich mich fast nichts. Vor allem nicht, wenn es um Geld geht, von dem man als Student nicht besonders viel hat.

Also setze ich an der kleinen Wettbude auf das Pferd mit dem coolsten Namen und lege der grantigen Frau einen Euro auf den Tisch. Mit spöttischem Blick bekomme ich meinen Wettschein. Tatsächlich galoppiert Dark Fighter auf Platz 1. Auf dem Weg zur Gewinnabholung male ich mir schon aus, wie viel Zuschuss für den nächsten Mensabesuch ich hier wohl gerade gewonnen habe und ob dann auch mal der Stand mit dem Aktionsessen drin sein wird. Fünf Minuten später gebe ich die 1,30 Euro für einen Eistee aus und muss noch was drauflegen. 30 Cent seien eine gute Quote, erklärte mir mein Papa später, ich hätte nur mehr einsetzen müssen. Was das angeht, bin ich konservativ.

Dann doch lieber Playstation. Da gibt’s nicht viel zu verlieren. Nur meine Ehre. Wenn ich in Stimmung bin, zocke ich auch mal eine Nacht bei Freunden durch. Ich löse Fälle im Los Angeles der 20er Jahre, turne mit Schwertern durch Rom im 16. Jahrhundert oder ramme teure Autos in den Straßen von St. Petersburg. Wenn ich im wahren Leben schon nicht Batman sein kann, dann wenigstens im Spiel. Und wenn ich mich dann wieder aufs Fahrrad schwinge, versuche ich manchmal, den Nitro-Antrieb anzuwerfen.

Auf dem Bildschirm sind Spiele weit weniger risikoreich, da setzt man schon mal sein Leben ein, kein Problem. In Echt bleibt’s dann eben beim Euro. Ich habe mir geschworen, in meinem Urlaub in Las Vegas nicht zu viel Geld zu verschleudern. Maximal zehn Dollar. Es sei denn, ich gewinne mehr als 30 Cent. Dann wird erhöht.

Björn, willst du mal steinalt werden?
Nächste Woche schreibt an dieser Stelle Björn Stephan

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