Kolumne: Was machen wir JETZT? : Kohle scheffeln

Bist du ein Geizkragen? Das fragte Constanze Bilogan letzte Woche. Unser Kolumnist antwortet ihr heute.

Björn Stephan
Wie gewonnen, so zerronnen. Sparen ist nicht Björns Ding. Er gibt sein Geld gerne aus - und schrammt immer knapp an der Privatinsolvenz vorbei.
Foto: privat

Manchmal verändern kleine Dinge alles. Ein Kuss. Ein Song. Oder ein rotes Cabrio. Letztens bin ich mit so einem Protzwagen rumgecruist. Du rauschst über die baumgesäumte Allee, Dach runter, Fahrtwind im Haar. Der Straßenrand flitzt vorbei, die Sonne bricht durchs Blätterdach, die schöne Frau auf dem Beifahrersitz lächelt. Was willst du mehr?

Am nächsten Tag musste ich das Cabrio abgeben. Da habe einen Entschluss gefasst, der mein Leben umkrempeln wird. Irgendwann will ich auch mal so ein Auto besitzen. Ich will viel Geld verdienen. Ich will reich sein. Wenn ich groß bin, werde ich Kapitalist. Mein Fehler ist, dass ich bisher immer nur das getan habe, was mir Spaß macht. Geschichte studieren, halbes Jahr in Afrika umsonst arbeiten, schreiben. Das Hedonistenprogramm. Aber damit verdient man ja nichts. Das Honorar für diese Kolumne kann ich an einem Abend locker verfeiern. Das reicht nicht einmal für die halbe Tankfüllung vom Cabrio.

Über Geld redet man nicht, das hat man. Was für ein dummer Spruch. Warum drucksen alle rum, wenn es um die Kohle geht? Wir sollten mehr über Geld reden. Ich mache jetzt mal den Anfang: Ich gebe zu, ich kann nicht mit Geld umgehen. Es zerrinnt wie Sand in meinen Händen. Was ich habe, wird ausgegeben. Würde ich im Lotto gewinnen, wäre ich einer von diesen Millionären, die nach einem Jahr pleite sind. Alles verprasst. Ich spare nicht, weil ich den Sinn nicht verstehe. Jeden Tag Toast mit Scheibletten-Käse, damit du dir am Ende einen neuen Flatscreenfernseher kaufen kannst? Da gehe ich lieber jeden Tag mit meinen Freunden essen.

Obwohl ich eine fette Finanzspritze von zu Hause bekomme, schramme ich permanent die Grenze zur Privatinsolvenz. Wie fast alle meine Freunde. Ein Leben im Dispo. Das Fiese daran ist, dass der Dispo dir vorgaukelt, es könnte immer so weitergehen. Ich brauche eigentlich nicht viel, drei Hemden, zwei Jeans, ab und an eine Schachtel Zigaretten. Trotzdem ist am Ende des Geldes immer so viel Monat übrig. Sieben Tage und nur noch 12,32 Euro auf dem Konto. Na ja, fasten soll ja gesund sein.

Mehr einnehmen als ausgeben, das ist das Ziel. Oder einfach so viel zu verdienen, dass man gar nicht alles ausgeben kann. Deshalb: Schluss mit der brotlosen Kunst. Ab jetzt wird Kohle gescheffelt. Als Berater bei McKinsey oder so. Als Erstes kaufe ich mir einen neuen Anzug.

Constanze, bist du ein Fußball-Fan?
Nächste Woche schreibt an dieser Stelle Constanze Bilogan.

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