Kolumne: Was machen wir JETZT? : Kreativ bleiben

Wirst du mal Doktor Bilogan? Das wollte Björn Stephan wissen. Unsere Kolumnistin antwortet ihm heute.

Constanze Bilogan

Dr. Bilogan – die Ärztin, der die Frauen vertrauen. Als Kind dachte ich tatsächlich, dass jeder mit ’nem Doktortitel auch automatisch Arzt sein muss. Heute weiß ich, wer Doktor sein will, muss vor allem eins haben: Durchhaltevermögen.

Meine Freundin sagte mal, Lehramtsstudenten sind die, die nicht vom System Schule losgekommen sind. Können sich Doktoranden demnach also nicht vom Bürokratiewust der Unis lösen? Sicherlich ist vieles davon klischeebehaftet, aber während ich nicht abwarten kann, endlich zu arbeiten, Geld zu verdienen und mein eigener Herr zu sein, ist die Frage nach mir und dem Doktortitel schnell beantwortet: Nein, ich werde kein Doktor.

Das höchste der Gefühle wäre der lang ersehnte Doktortitel als Gerichtsmedizinerin, aber dafür hatte ich leider nie den Mut. Halb verweste Leichen wollte ich untersuchen, Arme und Beine ihren Besitzern zuordnen und glibberiges Kriechgetier auf seine Lebensstadien hin analysieren. All das wäre mir das lange Studium allemal wert gewesen und ich ärgere mich fast täglich darüber, dass der Weg nicht in die Richtung ging.

Vielleicht war es aber auch genau die richtige Entscheidung, denn ich bin ein praxisorientierter Mensch. Mein gesamtes Studium auf Theorien aufzubauen und um Modelle herumzuschwafeln, entspricht nicht meiner Natur. Ich muss etwas in der Hand haben, muss etwas tun, von dem ich weiß, ich kann es gestalten.

Doktor der Geschichte allerdings, das ist nichts für jemanden, der denkt, dass die Uni freie Entfaltung behindert und vor allem Kreativität. Denn worum geht's in so einer Hausarbeit eigentlich? Richtig, Wissen wiederkäuen, das andere schon mal durchgekaut haben. Um eigenes Nachdenken geht es dabei eher sekundär.

Ich habe in Hausarbeiten schon abenteuerliche Dinge untersuchen wollen. Warum will so ein Friedrich III., vom Vater verachtet, eigentlich unbedingt König werden? Psychologie ist da gefragt, dachte ich mir und fühlte mich ungeheuer schlau. Nur studiere ich ja Geschichte, nicht Psychologie. Gegeben hat's dafür ’ne Drei. Und das, obwohl ich dachte, Wunder wie viel Eigenarbeit und Hirn ich da hineingesteckt hab. Doch genau das ist es: Kreativität ist nicht gefragt, genauso wenig Spannung. Schön, wenn sich meine Arbeit liest wie ein Thriller, während man bei anderen am staubtrockenen Stoff lange zu würgen hat.

Vielleicht schreibe ich ein Buch. Ist ja auch so lang wie eine Doktorarbeit.

Björn, bist du ein Ossi?

Nächstes Mal schreibt an dieser Stelle Björn Stephan.

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