• Potsdamer Neueste Nachrichten
  • Bootshandel
  • Qiez
  • zweitehand
  • twotickets
  • Berliner Köpfe
  • wetterdienst berlin

Kolumne: Was machen wir JETZT? : Wenig verlangen

05.12.2012 12:35 Uhrvon
Goldenes Krönchen. Manche Menschen wollen nur das Beste, in jeder Hinsicht. Unsere Kolumnistin will vor allem authentisch bleiben.Bild vergrößern
Goldenes Krönchen. Manche Menschen wollen nur das Beste, in jeder Hinsicht. Unsere Kolumnistin will vor allem authentisch bleiben. - Foto: privat

Bist du anspruchsvoll? Das fragte Björn Stephan letzten Monat. Unsere Kolumnistin antwortet ihm heute.

Anspruchsvoll sein: Was heißt das eigentlich – und ist das jetzt gut oder schlecht? „Highbrow“ nennen es die Engländer, und dieses Bild der hochgezogenen Augenbraue beschreibt es vielleicht ganz gut. Für mich gibt es mehrere Ebenen, auf denen man anspruchsvoll sein kann. Manche Leute werden mit dem goldenen Krönchen auf dem Haupt geboren. Einige bekommen dann auch noch alles hinterhergeworfen. Nur das Beste darf es sein. Austern zum Mittag, Champagner aufs Zimmer, Oper erste Reihe und Urlaub nur vom Feinsten, man ist eben anspruchsvoll. Genauso bei der Wahl der Freunde und Lebensgefährten.

Neulich unterhielt ich mich auf einer Party mit einer Frau, die von sich behauptete, die anspruchsvollste Person auf diesem Planeten zu sein und das mit den Kriterien an ihren Zukünftigen begründete: „Also ganz klar, einen Top-Job muss er haben, ein schickes Auto und genug Geld für alles, was ich noch so will.

“ Ich wünschte mir sehnlich einen Kellner mit Sektkühler, um mich meines soeben verspeisten Parmesanhäppchens zu entledigen.

Nichts gegen gesunde Ansprüche. Wenn es um mich geht, mein Aussehen, meine Bildung oder meine Wirkung auf andere, könnte ich nicht anspruchsvoller sein. Auch ich mache mir Gedanken darüber, welchen Eindruck ich bei meinen Mitmenschen hinterlasse. Sei es morgens vor dem Kleiderschrank, während eines tiefgründigen Gesprächs oder im Umgang mit anderen. Immerhin ist man Hauptdarsteller der eigenen Selbstinszenierung und wenn es richtig gut läuft, ist man komplett bei sich. In diesem Fall ist der Anspruch, den man an sich selbst stellt, ein natürlicher, ehrlicher. Vielleicht auch eine Art Ehrgeiz oder Antrieb. Schließlich will man im Leben das Beste erreichen.

Anders verhält es sich mit meinen Erwartungen an andere. Da gibt es keine hochgestochenen Ansprüche, die jemand zu erfüllen hat, denn Authentizität gewinnt. Ich muss mich nicht ausschließlich mit hyperintellektuellen Feingeistern umgeben oder mit Menschen, die glauben, mir die Welt zu Füßen legen zu müssen. Ich brauche kein teures Essen, keinen Luxusurlaub, kein Betüddeltwerden. Ich bin gern draußen, mache mich dreckig und mag Fastfood. Jeder hat die Chance, wichtig für mich zu sein, solange ich mit ihm authentisch sein kann. Mit dieser Einstellung bin ich bislang gut gefahren. Der Vorteil: Man wird positiv überrascht. Platzt nämlich die Blase des hohen Anspruchs, ist nur einer enttäuscht: man selbst.

Björn, bist du ein Feigling?
In vier Wochen antwortet an dieser Stelle Björn Stephan

Tagesspiegel twittert

Empfehlungen bei Facebook

Der Tagesspiegel im Sozialen Netz

Weitere Themen

Unser HTML/CSS Widget (statisch)