Konsum : Nicht nur für Ökotanten

Fair gehandelter Kaffee, Schokoriegel, Reiswaffeln – solche Produkte werden immer mehr gekauft. Der eine will sein schlechtes Gewissen befriedigen, der andere kauft sie aus Überzeugung. Doch was ist mit Mode?

Viktor Kewenig

Es geht um Konsum, das ewige Verlangen des Menschen nach mehr, mehr, mehr. Dieses Verlangen wird viel zu häufig auf Kosten nicht-westlicher Länder befriedigt. An diesem Punkt fiel unser Gespräch auf Fair Trade, der dieser Ungerechtigkeit entgegenwirken will. Fair gehandelter Kaffee, Schokoriegel, Reiswaffeln – solche Produkte werden immer mehr gekauft. Der eine will sein schlechtes Gewissen befriedigen, der andere kauft sie aus Überzeugung.

Aber plötzlich fing jemand von fair gehandelter Mode an, da war bei mir Schluss. Ökomode? Biomode aus Biobaumwolle? Sieht verdammt hässlich aus und kostet das Doppelte. Mode heißt doch gut aussehen und ist ganz sicher keine karitative Einrichtung. Wieso sollte es mich etwas angehen, wo mein Pullover herkommt? Solange er mir gefällt, bin ich zufrieden.

Das dachte ich mir, bis ich mit Frans Prins redete. Prins veranstaltet die Öko-Messe „The Key to …“, da gibt es auch fair gehandelte Mode.

Wir reden über Anziehsachen, und plötzlich geht es um Menschenleben, um Kinder, um Verbrechen. Ungefähr

20 000 Menschen sterben jährlich an Pestiziden in der Baumwollzucht. Diese Pestizide sind bei uns in Deutschland längst verboten, in Indien werden damit die Äcker getränkt. Die Textilindustrie ist weltweit der größte Abnehmer hochgiftiger Insektenvernichtungsmittel, um einen zuverlässigen Nachschub an Baumwolle zu garantieren. Ob man Kinder für einen Hungerlohn arbeiten lässt oder Fabriken 24 Stunden am Tag laufen – das Modegeschäft ist knallhart.

Grüne Mode hat gegenüber dieser Welt zwei Vorteile: ökologische und soziale Nachhaltigkeit. Pestizide schaden Bauern und Umwelt und sind bei der Herstellung von Bio-Baumwolle verboten. Die soziale Nachhaltigkeit entsteht durch höheren Lohn für Baumwollbauern und einem Verbot von Kinderarbeit. All dies wird durch Kontrollen sichergestellt.

Die Euros extra lohnen sich also, wenn man kapiert, was man damit bewirkt. Und auch in der grünen Modewelt kann man einen Sweater für 40 Euro kriegen. Hässlich muss er nicht unbedingt sein, denn es gibt mittlerweile viele Designer, die mit Bio-Baumwolle produzieren. Sogar große Ketten haben sich schon an fair gehandelter Baumwolle versucht. Reine Imagepolierung oder nicht – es zeigt, dass grüne Mode längst nicht mehr nur etwas für Ökotanten ist. Prins wünscht sich, dass bei guter Mode wie bei guten Restaurants auch bald Bio drin sein wird, obwohl es nicht draufsteht.

Ich bin zwar noch nicht bereit, in die grüne Mode einzusteigen – davon bin ich noch ziemlich weit entfernt. Trotzdem hat mich das Gespräch mit Frans Prins zum Nachdenken gebracht. Wenn es sich ergibt, guck ich jetzt auch schon mal, woher mein T-Shirt eigentlich kommt.

Viktor Kewenig, 16 Jahre

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