Konsum : Shoppen, was das Zeug hält

Mit der besten Freundin wird die Shopping-Tour schnell zur großartigen Topmodel-Show. Mit dem Vater allerdings läuft alles ganz anders.

Sonja Radde

Es stand fest: Meine alten Schuhe waren definitiv zu klein. Meine Freundin hatte Zeit, und so betraten wir eines Vormittags um elf Uhr die Gropius-Passagen. Wir hatten große Pläne – und genug Geld, sie in die Tat umzusetzen.

Die ersten drei Läden passierten wir, ohne uns etwas zu kaufen. Dann kamen wir zu „Collosseum“ und fanden beide das T-Shirt überhaupt. Doch damit es sich lohnen würde, eine Umkleide zu betreten, nahm meine Freundin noch gleich eine Jeans mit, sie hat ja nur zwei Stück. „Steht uns“, entschieden wir, kauften alles und machten uns auf zum Drogeriegeschäft, um uns durch sämtliche angebotenen Lippenstiftsorten zu probieren.

Fünf Kleidungs- und Drogeriegeschäfte später und um einiges bepackter fiel mir ein, was ich eigentlich brauchte. Absatzlose Stiefel. Wir rasten zum „Schuhhof“. Während ich die Regale durchforstete, probierte meine Freundin die schlimmsten Absätze an. Bald waren wir in eine großartige Topmodel-Show verwickelt und hatten die Stiefel völlig vergessen.

Bis mein Vater anrief und fragte, wo ich bliebe. Es war halb sieben. Im Auto musste ich ihm klarmachen, dass es einfach zu wenig Auswahl an Schuhen gegeben hatte. Zu Hause probierte ich die neuen Klamotten durch und entschied: Shopping-Tour erfolgreich!

Nur: Ich brauchte immer noch Schuhe. Mein Vater wollte mitkommen, und dieses Mal hatte ich keine Wahl. Wir betraten das „Schloss“ um 19 Uhr 30, eine halbe Stunde, bevor die Läden zumachten, so hatte mein Vater die Versicherung, bald wieder draußen zu sein – mit oder ohne Stiefel. Gleich im zweiten Laden, den ich in Rekordzeit durchsuchen musste, fand ich zwei gut passende Paar Stiefel. Bevor ich sie mir genauer anschauen konnte, sagte mein Vater: „Die hier haben ja Absätze!“. Ich sah ihn an: „Aber das sind doch nur vier Zentimeter!“ „Kommt nicht infrage. Du nimmst das andere Paar.“ Drei Minuten später waren wir fertig mit Einkaufen.

Sonja Radde, 14 Jahre

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