Werbinich : Lehrer im Bermuda-Dreieck

Susanne Vieth-Entus

Vergangene Woche gab es eine Vor-Wahlkampfveranstaltung besonderer Art: FDP-Bildungsexpertin Mieke Senftleben lud den Mitbegründer der Elternpartei, André Schindler, aufs Podium, um die Kräfte – oder besser: die Wahlprogramme – zu messen. Eine der vielen Gemeinsamkeiten zwischen beiden ist die Forderung nach dem „Recht auf 100 Prozent Unterricht“. Aber Schindler will dieses Recht gesetzlich festzurren, was Senftleben für bürokratisch hält. Sie schlägt vor, dass Schulen Geld bekommen, um selbst Vertretungskräfte engagieren zu können.

Wie auch immer die Politik entscheidet: Anders werden muss es auf jeden Fall. Wie unbefriedigend es ist, wenn einer Schule die Hände gebunden sind, sieht man zurzeit wieder am Wilmersdorfer Marie-Curie- Gymnasium: Seit einem Jahr leiden die Kinder unter Unterrichtsausfall in Mathematik und Physik, weil es immer wieder die Lehrer dieser Fächer sind, die erkranken. Dem zuständigen Schulrat kommt die Situation vor, als läge die Schule in einer Art „Bermuda–Dreieck“, in dem die Lehrer wie von Geisterhand verschwinden. Er hat den Eltern mitgeteilt, neue Lehrer gebe es nicht, die Schule müsse sich selbst helfen. Ihm schwebt vor, dass Lehrer am Wochenende „Tutorien“ abhalten, damit zumindest den Zehntklässlern geholfen wird, die bald den Mittleren Schulabschluss bestehen müssen.

Den Eltern fällt es schwer, Verständnis für diesen Bescheid aufzubringen. Sie finden es falsch, dass die ohnehin schon belasteten Lehrer in die Bresche springen sollen. Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, wollen sie am Donnerstag Holzkreuze an der Schule aufbauen, weil dort „die Bildung unserer Kinder beerdigt wird“.

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