Lesung : Vom Glück der Geselligkeit

Sachbuch-Autor Stefan Klein ("Die Glücksformel") erklärt im Tagesspiegel-Haus am Askanischen Platz, wie die guten Gefühle entstehen.

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Was das Glück ist und was uns glücklich macht: Darüber gibt es so viele Ansichten wie Menschen. Lässt sich das Glück überhaupt wissenschaftlich erforschen oder gehört die Frage danach nicht eher in das weite Feld der Philosophie, der ganz persönlichen Lebensführung?

Als Wissenschaftsjournalist Stefan Klein vor gut zehn Jahren begann, sich mit dem Thema Glück zu beschäftigen, waren seine Bekannten skeptisch: Darüber lasse sich kein wissenschaftliches Buch schreiben, meinten sie. Er schrieb trotzdem eins, und der Titel „Die Glücksformel – Wie die guten Gefühle entstehen“ stand 2002 ein Jahr lang auf den Bestsellerlisten und machte den Autor international bekannt. Viele andere Autoren sprangen auf den Zug auf und legten ihrerseits Bücher mit dem Zauberwort „Glück“ im Titel vor, mehr oder weniger populäre Darstellungen oder persönliche Lebensweisheiten.

Aber nicht nur der Buchmarkt, auch die Wissenschaft vom Glück hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Die soziale Neurowissenschaft als neue Disziplin etwa erforscht, wie Glück in unserem Zusammenleben entsteht, die Hirnforscher wissen immer mehr über die Hirnsysteme, die für Lust, Begehren und Genuss zuständig sind, und die Sozialforscher legen eine Studie nach der anderen dazu vor, welche Bevölkerungsgruppen warum glücklicher sind als andere.

Grund genug für Stefan Klein, sein Buch in einer erweiterten Neuausgabe herauszubringen. Am 15. November ist der Autor mehrerer Wissenschaftsbücher („Alles Zufall“, „Zeit“, „Da Vincis Vermächtnis“, „Der Sinn des Gebens“) Gast im Tagesspiegel-Wissenschaftssalon und erklärt, welche zum Teil überraschenden Erkenntnisse der Forscher uns helfen können, in der ganz persönlichen Lebensführung ebenso wie auf der politischen Ebene.

Für den Einzelnen ist zum Beispiel interessant, dass man seine Fähigkeit, Glück zu empfinden, trainieren kann und sollte. Wer sich bewusst auf das Positive im Leben konzentriert, gewöhnt sein Gehirn daran und polt sich sozusagen um – das ist auch im höheren Erwachsenenalter noch möglich. Wut und Missempfindungen aller Art sollte man dagegen bewusst kontrollieren, also nicht etwa durch Wutanfälle Dampf ablassen oder seinen Missmut der Umwelt lautstark mitteilen: denn das verstärkt und verlängert die schlechten Gefühle.

„Das Glück entsteht zwischen Menschen, nicht in der stillen Kammer“, schreibt Stefan Klein – gute, aber auch schlechte Laune sind ansteckend, Geselligkeit tut uns gut. Das hat auch eine gesellschaftspolitische Dimension: Wo Menschen frei in ihren Entscheidungen sind, sich für ihr Gemeinwesen engagieren und die Einkommen einigermaßen gleich verteilt sind, sind sie am glücklichsten. Wie wohlhabend eine Gesellschaft objektiv ist, spielt demgegenüber kaum eine Rolle: Mehr Geld bringt nicht mehr Glück, außer für die wirklich Armen, die sich mit jedem Euro mehr einen Zuwachs an Lebensqualität erkaufen können.

Und was löst sonst noch Glück aus? Manche sagen: Fußball. Das ist allerdings nicht Stefan Kleins Thema, sondern das von Theo Zwanziger. Der langjährige DFB-Präsident stellt im Tagesspiegel bei einer Veranstaltung des Berlin Verlags seine Biografie vor und diskutiert mit Claudia Roth und Günter Netzer. Auch ein Anlass, im Tagesspiegel-Haus das Glück der Geselligkeit zu suchen.

Informationen zum Wissenschaftssalon und zur Buchvorstellung siehe „Kalender“ auf dieser Seite.

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