Werbinich : Liebe auf Stand-by, Teil II

Fernbeziehung? Kennt jeder. Hier sind eure Mails

Nemo, 23, hat uns eine Mail aus Paris geschickt: Vor knapp einem Jahr stand sie allein in der Uni vor dem Hörsaal und wartete auf die Vorlesung. Sie wollte sich eine Zigarette drehen, hatte keinen Tabak dabei, „und so taxierte ich die Umstehenden – und mein Blick traf den meines zukünftigen Freundes“.Jetzt, ein Jahr später, kehrt Nemo zurück. Ihr Freund bleibt in Frankreich, muss studieren, 1000 Kilometer entfernt, „ unvorstellbar“, schreibt sie.

Nemos Mails war nur eine von vielen, die wir von euch bekommen haben. Die von Mark, 20, dessen Freundin nach Münster gezogen ist und der nun gegen seine „Scheiß Eifersucht“ ankämpft. Oder von Gary, 21, dessen Freundin in Japan studiert und der nun hofft, dass „das Geld in den Sommersemesterferien für ein Flugticket reicht“. Der Anlass war dieser: Vorigen Freitag hatte hier auf dieser Seite Ann-Kathrin Nezik den Text „Liebe auf Stand-by“ geschrieben. Es ging um Fernbeziehungen, in die jetzt – da das Wintersemester begonnen hat – viele von uns so abrupt und brutal reingerutscht sind. Sie berichtete aus eigener Erfahrung von fehlenden Umarmungen, vielen nächtlichen Telefonaten und Tränen im ICE.

Als Nemo mit ihrer Mitbewohnerin in Berlin telefonierte, sagte die: „Jetzt sind wir in der Wohnung drei Fernbeziehungen. Johannas Macker ist in Kanada, meiner in der Schweiz, deiner in Frankreich. Das wird ein schönes gemeinsames Heulen und Zähneklappern.“

Nemo hat sich noch viel mehr Gedanken gemacht. Und so schreibt sie: „Je älter man wird, desto mehr drängen sich Fragen auf nach dem Ultimativen – was, wenn dieser Mensch der eine sein soll? Wo werden wir unsere Kinder erziehen? Kann man sich für diesen Menschen entscheiden, wenn diese Entscheidung ein Leben provoziert, in dem einer von uns oder beide die Entwurzelung in Kauf nehmen müssen, wenn wir uns mit einer Sprache, einer Kultur anfreunden müssen, mit der wir keine Kindheitserinnerungen haben?“ AG

Kennt ihr das? Mailt uns eure Gedanken (inkl. Alter) an: werbinich@tagesspiegel.de. Wir sind gespannt.

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