Werbinich : Liebe Politiker

Warum ist eigentlich nie Geld da? Warum wurden sämtliche kaputte Overhead-Projektoren an Berliner Schulen schon vor Jahren in eine Ecke gestellt und zu Staubfängern umfunktioniert? Warum ist es eine Ausnahme, wenn man eine Rolle Toilettenpapier auf den Schulklos antrifft? Und warum ist es nicht möglich, jedem Kind eine wirklich gute, kostenlose Ausbildung zu garantieren? Die Stadt muss sparen, werden Sie erklären. Der Staat muss sparen. Dann werden sie in unverständlichem Politikerdeutsch etwas über die Finanzkrise murmeln und denken: Das versteht ihr Kinder doch nicht. Genau. Ich verstehe es nicht. Denn oft ist ja doch Geld da. Wenn es darum geht, Missmanagement von bankrotten Unternehmen mit staatlichen Boni zu belohnen. Oder funktionstüchtige Autos zu verschrotten, um die Wirtschaft (und den Wahlkampf?) anzukurbeln, bevor es weitergeht mit der Krise. Ich möchte hier nicht vorschlagen, für Klopapier und funktionierende Beamer unser System in den Abgrund zu stürzen. Wir brauchen Banken, Straßen und Firmen. Aber wir brauchen auch Schulen, Kindergärten und Freizeiteinrichtungen.

Nein, ich meine nicht, uns mit halbherzigen und schlecht durchdachten Bildungsreformen zu bewerfen, nach denen wir zwar ein Jahr früher, aber nicht klüger das Gymnasium verlassen. Ich meine sinnvolle und zukunftsfördernde Investitionen. Bis das geschieht, müssen Sie sich nicht wundern, wenn der Gedanke an Politik bei den meisten Jugendlichen keine Begeisterung auslöst. Liebe Politiker, denken Sie mal darüber nach.Roberta Huldisch, 15 Jahre

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