Werbinich : Lockrufe aus dem goldenen Westen

Susanne Vieth-Entus

Berlins Junglehrer müssen sich in Geduld fassen. Nach aktuellen Prognosen der Senatsverwaltung für Bildung werden zum Sommer nur rund 150 neue Lehrer benötigt. Dies bedeutet, dass von den 800 Referendaren, die im laufenden Schuljahr ihre Ausbildung beenden, nur ein Bruchteil auf eine baldige Festanstellung hoffen kann. Allerdings haben die übrigen 650 wunderbare Aussichten in anderen Bundesländern: Niedersachsen stellt jetzt 1000 neue Lehrer ein, davon allein 300, um Vorsorge für Mangelfächer zu treffen, berichtet das Bildungsministerium in Hannover. Und Bayern verhandelt jetzt sogar mit dem Landeshauptmann von Oberösterreich, der gern arbeitslose Pädagogen an die Bajuwaren abtreten würde. „Natürlich nehmen wir auch gern Lehrer aus Berlin, wenn sie die richtige Fächerkombination haben“, heißt es aus München.

Der aus Bayern stammende Bildungsfachmann der Berliner CDU, Gerhard Schmid, hört solche Angebote mit Sorge. Trotz der Berliner Finanzmisere müsse man junge Lehrer einstellen, um sie hier zu halten und spätere Engpässe zu verhindern, findet Schmid. Damit aber dringt er ebenso wenig durch wie Bildungssenator Klaus Böger (SPD). Das Wörtchen „Vorsorge“ gehört nicht zum Wortschatz des Finanzsenators. Er betrachtet jede Neueinstellung mit Misstrauen. Zum zweiten Schulhalbjahr, das demnächst beginnt, wird es deshalb keine neuen Lehrer geben. Stattdessen werden, wie gerade bekannt wurde, 50 Pädagogen zwischen den Bezirken umgesetzt, um den Mangel zu dämpfen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar