Werbinich : Lolle rennt

Uwe Heinelt zeichnet „Lolle“ aus der Fernsehserie „Berlin, Berlin“ – und ist ein bisschen verliebt in sie

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Von Esther Kogelboom Uwe Heinelt wohnt im Erdgeschoss in Friedrichshain. Er hat einen kleinen Garten (man kann heimlich ein paar rote Johannisbeeren vom Strauch pflücken) und dicke Teppichböden. Das bedeutet, dass man die Schuhe abstreifen muss, bevor man in sein Zeichenzimmer darf. Dort, an einem großen Schreibtisch, den gleich zwei Klemmlampen beleuchten, entstehen jeden Tag viele Versionen von Lolle – Lolle, wie sie rennt, steht, spricht, sich ärgert und freut. Uwe Heinelt malt nicht nur die Vorbilder für die animierten Comicsequenzen aus der Fernsehserie „Berlin, Berlin“, sondern auch ganze LolleComichefte. Den ersten Band gibt es schon, am zweiten arbeitet er gerade. Fast rund um die Uhr.

„Ich bin ein Eigenbrötler“, sagt der 35-Jährige und lacht. „Manchmal vermisse ich den Kontakt zur Außenwelt.“ Ist ja klar: Heinelt lebt in einer Fantasiewelt. Und die Königin dieser Welt ist das Ex-Landei Lolle, in das Heinelt vielleicht sogar ein wenig verknallt ist.

Weshalb gibt es die Comicsequenzen überhaupt in „Berlin, Berlin“? Wieso verwandelt sich Felicitas Woll, die die Lolle verkörpert, ab und zu in eine kreischende Comicfigur? Uwe Heinelt erklärt das so: Damals, als die Serie entwickelt wurde, hatte gerade der Kinofilm „Lola rennt“ mit Franka Potente großen Erfolg – sogar in den USA. Auch in „Lola rennt“ kommt ein Mädchen mit roten Haaren vor, das in besonders haarsträubenden Szenen zur Comicfigur wird. Neben „Lola rennt“ gab es noch die Fernsehserie Ally McBeal, die von einer Rechtsanwältin handelt, die sich mehrmals am Tag über ihre Kollegen aufregt. Das, was sich in Allys Kopf abspielt, zum Beispiel die fiese Rache, die sie an einer Kollegin nimmt, wird so für den Zuschauer sichtbar. „In Comics kannst du Gefühle einfach überzeichnen“, sagt Uwe Heinelt. „Du kannst die Dinge sichtbar machen, ohne viele Worte.“

Als Uwe Heinelt 14 Jahre alt war, begann er, zusammen mit seinen Freunden, zu zeichnen. Er war ein großer Fan der Abrafaxe. In der DDR gab es zwar weder Mickey Maus noch Donald Duck, dafür aber zum Beispiel Califax, Brabax und Abrax. Heinelt zeichnete sich seine Comics einfach selbst. Aus einem „Mangelsyndrom“ heraus, sagt er. Zum Abitur wurde er nicht zugelassen, deswegen machte er eine Ausbildung zum Drucker. Aber von den Comics konnte er trotzdem nicht lassen. Alles, was er kann, hat er sich selbst beigebracht. Nach der Wende hat er doch noch Abitur gemacht und sich für den Studiengang Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation eingeschrieben. Mit Comiczeichnen hat das nicht viel zu tun – und so zog sich Heinelt lieber zurück, spitzte die Bleistifte und malte ab, was er im Kopf hatte: Einhörner, lustige Biber mit Regenschirmen, mit denen jetzt eine Apotheke wirbt, und Fantasiefrauen mit spitzen Brüsten und scharfen Pistolen. Damit kann kein Studium der Welt konkurrieren.

An „Berlin, Berlin“ mag Heinelt vor allem die Verfolgungsszenen: „Da kann ich es so richtig krachen lassen.“ Und gerade Berlin ist ja eine gute Kulisse für wilde Szenen. „Hier musst du nur mit der U-Bahn fahren, und schon hast du die wichtigsten Charaktere auf einen Schlag.“ Dagegen langweilen Heinelt zu lange Dialoge in geschlossenen Räumen. Auch im wirklichen Leben. Uwe Heinelt überkommt dann die Furcht, dass er vom vielen Sitzen an Zeichen-, Computer- und Gartentisch langsam einen krummen Rücken bekommt. Das erklärt auch, dass in einer Ecke seines Zeichenzimmers eine Ansammlung verschiedener Fitnessgeräte steht.

Und was macht Uwe Heinelt, wenn ihm gar nichts mehr einfallen will? „Dann nehme ich einen Versandhauskatalog und zeichne die Figuren ab.“

„Berlin, Berlin“ kommt von dienstags bis freitags um 18.50 Uhr in der ARD. Noch bis Dezember wird die vierte Staffel gedreht, die im Frühjahr 2005 gesendet wird. Dann klärt sich auch endlich, ob Lolle den größten Fehler ihres Lebens macht – und wirklich nach Stuttgart zieht. Der Comic „Froschkönige“ ist im Ehapa Verlag erschienen und kostet acht Euro. Uwe Heinelt im Internet: www.heinelt-comic.de

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