Martial Arts : Einmal Held sein

Kai Fung Rieck ist Kampfsportkünstler. Und wäre gern der nächste Jackie Chan. Im Moment spricht einiges dafür

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Kampfmodus. Beim Training ist Kai Fung Rieck hochkonzentriert, kein Lächeln huscht über sein Gesicht. Sonst ist er aber ziemlich freundlich. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Kampfmodus. Beim Training ist Kai Fung Rieck hochkonzentriert, kein Lächeln huscht über sein Gesicht. Sonst ist er aber ziemlich...

Der Blick ist starr. Konzentriert und zu allem entschlossen. Kein Lächeln bewegt das Gesicht. Wenn Kai Fung Rieck im „Kampfmodus“ ist, sieht er ganz schön gefährlich aus. Er formt die Hände zu „Tigerkrallen“ und spannt die Muskeln so sehr an, dass sie zittern. „Mit der Kraft der Finger kann man jemandem das ganze Gesicht aufreißen“, sagt er. Und erklärt, dass man die Hand so halten müsse, als greife man einen Tennisball. Plötzlich ist der „Kampfmodus“ wieder ausgeschaltet und ein Lächeln erscheint in Kai Fung Riecks Mundwinkeln und in seinen schräg stehenden Augen.

Kai Fung Rieck ist 21, kommt aus Steglitz, und vielleicht beerbt er bald sein Vorbild Jackie Chan und wird der nächste große Kampfsport-Action-Filmstar. Das ist zumindest der Plan. Und im Moment sieht es gar nicht so schlecht aus: Für den US-Film „Ninja Assassin“ wurde er beim Stuntman-Komparsen-Casting entdeckt. Sagen durfte er zwar nichts in dem Streifen, der in Babelsberg gedreht wurde. Aber kämpfen. Und sein Gesicht erscheint in Großaufnahme auf der Leinwand. Er verkörpert den Filmbösewicht, in einer Rückblende, die ihn als jungen Mann zeigt.

Zurzeit steht Kai Fung für die RTL-Serie „Lasko – Die Faust Gottes“ vor der Kamera. Wieder als Stuntman ohne Text, aber mit vielen Kampfszenen – als Gegner des Helden. Nächste Woche wird der große Endkampf gedreht, eine „Riesenschlägerei“. „Ich kann das ganz gut, den Bösen spielen“, sagt Kai Fung. Beim Training hat er gelernt, ernst und aggressiv auszusehen. „Beim Kämpfen lächelt man nicht.“ Sonst lächelt er gern und viel. „Meine Freunde finden es alle viel cooler, den Bösen zu spielen. Aber ich wäre lieber der Gute“, sagt er. Jackie Chan ist schließlich auch immer der Held.

Kai Fung ist ein friedlicher Mensch, trotz seiner Begeisterung für den asiatischen Kampfsport: „Ich will niemandem auf der Straße zusammenhauen. Ich trainiere, um zu trainieren.“ Und man glaubt es dem freundlichen, ausgeglichen wirkenden Kai Fung sofort. Immerhin war er nicht beim Bund, sondern hat als Zivi im Krankenhaus gearbeitet. „Ich bin nicht so jemand, der in den Krieg zieht.“

Der gute Nebeneffekt vom Zivildienst: Er konnte weiter mit dem Team trainieren, das er gegründet hat – dem „Team Scoot“. Er und seine Mitstreiter führen „Extreme Martial Arts“ vor – nicht „Kampfsport, sondern Kampfkunst“, das ist Kai Fung sehr wichtig. Es gehe um die Philosophie, um den eigenen Körper. Und dann macht er mal eben einen Salto rückwärts und tritt dabei in die Luft. Ein „Flashkick“ sei das, erklärt er, um gleich danach seitlich in einen einarmigen Handstand zu springen – mit den kontrollierten geschmeidigen Bewegungen einer Raubkatze. „Tricking“ heißt die Sportart, aus der er sich viel für seinen eigenen Stil angeeignet hat. Eine Mischung aus Kampfsport, Akrobatik und Breakdance.

Seit der Jahrtausendwende gibt es Tricking, seit etwa einem Jahr nimmt die Popularität in Berlin rasend zu, es gibt verschiedene Trainigszentren und Schulen. Im vergangenen Sommer wurden sogar Kurse auf der großen Wiese im Lustgarten angeboten. Zum Tricking gehören auch Elemente des Kung-Fu. Und damit hat bei Kai Fung alles angefangen, als er 13 war. „Dragonboy“ hieß damals seine Lieblingszeichentrickserie, der Drachenjunge konnte Kung-Fu. Seine Schwester schlug vor, er solle doch mal zum Training gehen. „Das hat voll die Flamme in mir entfacht“, sagt Kai Fung. Als Kind sei er extrem schüchtern gewesen und viel allein. Das änderte sich durch das Kampftraining schnell. Er fand einen „Meister“, ganz wie in den alten Kung-Fu-Filmen. Und durch zunehmende Körperbeherrschung und Erfolge beim Training wuchs sein Selbstbewusstsein. Trotzdem hat er auch heute noch kein großes Ego. Er holt die DVD von „Ninja Assassin“ aus seinem Rucksack, zeigt auf ein kleines Szenenfoto auf der Rückseite und grinst: „Der kleine Hässliche auf der Rückseite bin ich“.

Dabei hat er schon Fans. Unter den Youtube-Videos, die er von seinem Team und sich ins Internet gestellt hat, stehen nicht nur anerkennende Kommentare über seinen Kampfstil, sondern auch, wie sexy er in Jeans aussehe. Und er tritt immer häufiger auf. Neulich bei einer großen Martial-Arts-Show in der Universal Hall in Moabit etwa, und heute dreht er einen Werbespot für Media-Markt.

Sein nächstes großes Ziel ist ein Film mit Sprechrolle. Deshalb geht er seit einem Jahr auf die private „Filmschauspielschule Berlin“ in Charlottenburg. Mit seinen „Stunts“ finanziert er das. Der erste Erfolg: ein Engagement an einem Theater in Magdeburg, in einem Monat soll Premiere sein – ganz ohne Kämpfe.

Auf der Schauspielschule hat Kai Fung auch gelernt, dass deutsche Zuschauer lieber „realitätsbezogene Dramen“ auf der Leinwand sehen, als Actionfilme. Solche Filme mag er selbst nicht so. Vielleicht weil sein Leben oft ein bisschen wie eines jener Dramen war: Seine Eltern kamen aus China nach Deutschland, und die Mutter starb kurz nach der Geburt des kleinen Fung. Der Vater ließ ihn in Berlin zurück, um in Spanien zu arbeiten. Dort starb auch er. Fung wurde adoptiert. Und bekam den Vornamen Kai dazu. Erst mit 15 lernte er leibliche Verwandte kennen, die in Barcelona leben. Als er ihnen vor kurzem erzählte, dass er in „Ninja Assassin“ an der Seite des koreanischen Stars Jung Ji-hoon zu sehen ist, waren sie beeindruckter als Kai Fung selbst.

Wenig beeindruckt ist er auch vom „Vorgänger“ Jackie Chans, Bruce Lee. „Dessen Filme habe ich erst später entdeckt. Da war Jackie schon mein Held.“ Und auch Chans zahlreiche Verletzungen bei Drehs konnten Kai Fung nicht entmutigen: Seit einem schweren Sturz ist Chan auf dem rechten Ohr schwerhörig, ein anderes Mal zog er sich einen Schädelbasisbruch zu. Kai Fung hat sich noch nie ernsthaft verletzt. Trotzdem sagt er: „Damit verbraucht man seinen Körper.“ Etwa zehn Jahre könne er noch als Stuntkämpfer arbeiten, meint er. Danach will er „die nächste Generation“ trainieren

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