Max Buskohl : Der Wildreis-Typ

Max Buskohl war der Punk von „Deutschland sucht den Superstar“. Er ging. Und versucht es jetzt allein. Ein Gespräch über Reife.

Ric Graf,Yoko Rückerl
Max Buskohl
Max BuskohlFoto: ddp

Ein Abend im Park-Café, Wilmersdorf. Es ist 20 Uhr. Wir sind mit Max Buskohl, 18, dem Ex-Kandidaten von „DSDS“ und Sänger der Punkrockband „Empty Trash“, verabredet. Um 20 Uhr 25 fehlt noch immer jede Spur von ihm. Wir rufen an.



Hallo Max, wo bist du?



Oh, war das Interview heute Abend?

Den Termin hat er verpeilt. Max sitzt mit seinem Vater Carl Carlton, auch ein Musiker, in einem Restaurant. Aber wir sollen vorbeikommen. So machen wir uns auf den Weg ins Filou in der Bleibtreustraße in Charlottenburg. Da sitzt er mit seinem Vater und einem Freund am Tisch, hat sich Pasta mit Pesto bestellt. Wir warten am Nebentisch. Als er zu uns rüberkommt, fällt auf, wie groß er ist, fast zwei Meter. Und Max ist schmaler als im Fernsehen, fast schlaksig. Er trägt Jeans, weißes Hemd, schwarzes Sakko und einen grauen Hut.

Einen Punkrocker erwartet man eher in Friedrichshain oder Kreuzberg als im schnieken Halensee ...

Ich wohne hier noch bei meiner Mutter. Und ich mag Charlottenburg, es ist so schön ruhig. Aber irgendwann will ich wegziehen – in den Wedding.

In den Wedding?

Ja, da ist es günstig. Prenzlauer Berg ist mittlerweile teurer als Charlottenburg. Und es ist mir zu viel los. Deshalb würde ich auch nie in eine WG ziehen.

Max trinkt von seinem Pils, spielt mit dem Piercing an seiner Unterlippe. Er wirkt nervös.

Bist du gerne allein?

Nein, aber ich habe gerne die Wahl, alleine zu sein.

Wie hast du dann die zwei Jahre auf dem Internat in Irland durchgehalten?

Die Frage ist eher, wie das Internat mich ausgehalten hat. Einmal habe ich mit einem Freund den Feuerlöscher ausprobiert. Wir rannten völlig weiß vor Schaum durch die Flure. Bis wir auf die Schulsekretärin stießen. Da gab es wirklich Ärger.

Warum bist du auf ein Internat gegangen?

Ich war ein schwieriger Teenager, habe viel mit meiner Mutter gestritten. Ich dachte, es wäre an der Zeit für ein bisschen Disziplin.

Zur Schule gehst du wohl nicht mehr?

Ich war auf dem Nelson-Mandela-Gymnasium, habe aber im Januar nach der elften Klasse abgebrochen. Es ging nicht mehr und wurde zu viel. Ich war nie der beste Schüler, habe keine Hausaufgaben gemacht. Ich bin vor allem in die Schule gegangen, um Leute zu treffen.

Und wie sieht jetzt ein typischer Tag bei dir aus?

Irgendwie kommt es im Moment jeden Tag dazu, dass ich rocken gehe, ins Magnet, den Knaack-Club, das Rio. Oder ich probe lange mit der Band. Wir gehen ja jetzt auch auf Tour, mit einem Bus, Mercedes 68er Baujahr. Wir können da auf dem Dach spielen.

Max bestellt Sambuca. Kurz nimmt er seinen Hut ab, schüttelt seine Haare durch.

Welchen Song hättest du gerne geschrieben?

„All Along The Watchtower“ von Bob Dylan – geiler Typ!

Empty Trash gibt es seit anderthalb Jahren. Wie haben deine Bandkollegen reagiert, als du bei „Deutschland sucht den Superstar“ mitgemacht hast?

Die waren stolz auf mich und fanden das gut. Da hat keiner mit gerechnet, dass ich so weit komme.

Und als du später auf dem Titel der „Bild“-Zeitung warst?

Da haben sie gelacht, standen aber hinter mir. Für meine Band war der Presserummel auch irre: Einmal saßen wir nach der Probe in der U-Bahn. Plötzlich sahen wir meine Fresse im Berliner Fenster, und die ganzen Leute starrten mich an.

Du fährst also noch U-Bahn?

Nur nachts und vor zwei Uhr nachmittags. Sonst geht es nicht mehr. Nach Schulschluss ist es zu anstrengend. Die Mädchen kommen in Horden und rufen „UHHH!!!“, wenn sie mich sehen.

Das klingt so, als würdest du deine Popularität nicht genießen.

Doch, letztendlich will ich erfolgreicher Musiker werden. Dazu gehört es, erkannt zu werden. Wenn dich keiner anspricht, läuft was schief.

Vater Carl kommt an den Tisch, will sich verabschieden. Max fragt nach Geld für die Nacht. Sein Vater gibt ihm 50 Euro.

Liest und beantwortest du Deine Fanpost?

Fast alle, mit Verzögerung. Durch E-Mails wird es echt viel.

Was schreiben dir deine Fans denn so?

Vor allem sind es Heirats- und Kinderwünsche. Und ich wundere mich schon, wie versaut die Gedanken einer 14-Jährigen sein können. Auf dem Foto sieht sie noch süß und niedlich aus, und dann schreibt sie dir als P.S.: „Wünsch dir einen schönen Tag und einen guten Fick.“

Gehst du dann darauf ein?

Nee, obwohl nee ... ähh ... ja. Ich antworte dann ganz neutral. Sage einfach danke für den Brief und blabla ...

Max schmunzelt. Nach anfänglicher Schüchternheit taut er auf, hält länger Blickkontakt. Wir brechen auf, rüber ins Schwarze Café in der Kantstraße. Dort ist Max öfter. „Für einen Absacker nach Clubbesuchen.“ Es regnet, die Straßen sind leer.

Du hast es also noch nie ausgenutzt, bekannt zu sein, um ein hübsches Mädchen mit nach Hause zu nehmen?

Nee ... noch nie.

Dein Lächeln sagt aber was anderes.

Nee, wirklich. Vielleicht hab ich das mal in einem Club gemacht. Aber man geht ja eh in einen Club, um Frauen kennenzulernen. Nur ist das jetzt viel einfacher als früher. Jetzt muss ich nicht mehr Fragen stellen wie: „Wohnst du hier in der Nähe?“ Die Mädchen stellen jetzt die Fragen. „DSDS“ ist ein guter Flirteinstieg.

Im Schwarzen Café sitzt am Nebentisch eine Männergruppe. „Ist das nicht der Typ aus dem Fernsehen?“, fragt einer.

Wie viele Mädchen hattest du denn schon?

Kann ich nicht zählen. Aber jeder habe ich einen Song gewidmet –fast jeder.

Weißt Du noch von jeder den Namen?

Nö ... nicht bei One-Night Stands.

Huch. Das ist also auch eine Seite von Max, der so schüchtern anfing, mit uns zu reden. Er nimmt einen kräftigen Schluck von seinem Mai-Thai-Cocktail, zündet sich eine Zigarette an.

Bist du im Moment verliebt?

Nee ...

Warst du schon mal richtig verliebt?

Vielleicht ansatzweise. Es gab da mal ein Mädchen, aber irgendwann hat sie sich nicht mehr gemeldet, und ich wollte auch nicht der nervige Junge sein, der ihr hinterhertelefoniert. Später habe ich gehört, dass sie ihr Handy verloren hat. Da hatte sie schon einen neuen Freund.

Was macht dich bei Frauen nervös?

Wenn sie mysteriös und geheimnisvoll ist. Russische Frauen haben das immer ganz gut drauf. Ich mag Frauen, die irgendwas Dunkles an sich haben, bei denen du im ersten Moment nicht weißt, was dahintersteckt. Das macht interessant. Ich mag Frauen mit Problemen.

Hast du ein Helfersyndrom?

Auf gar keinen Fall. Ich mache keinen auf Psychiater.

Mit wem redest du über deine Probleme?

Schwierig, ich habe ja schon Probleme, den Kontakt mit Leuten zu halten, die mir viel bedeuten. Ich stehe nicht auf Telefonieren, das ist unpersönlich. Ich bin nicht der Typ, der anruft.

Bist du ein guter Freund?

Im Moment nicht. Ich bemühe mich gerade nicht, den Kontakt zu halten. Das verstehen viele Freunde nicht.

Wer steht dir nah?

Alte Freunde von der Schule. Ich komme mit Mädels besser klar als mit Jungs. So richtig reden und Spaß haben kann man mit denen einfach besser.

Können Frauen und Männer denn überhaupt nur befreundet sein?

Ja, aber auf jeden Fall ist die Freundschaft im Arsch, sobald du was mit ihr hattest. Du kannst mit dem Mädchen nie wieder über andere Frauen reden.

Max spielt mit dem Feuerzeug. Seine Finger scheinen immer beschäftigt werden zu wollen.


Beziehung scheint nicht dein Ding zu sein.

Wenn man genug Stress hat, seine Freundschaften zu pflegen, will man nicht noch ’ne Beziehung anfangen. Das Problem ist nur – nichts gegen Frauen – aber sie rufen einfach immer wieder an.

Du Herzensbrecher!

Mag sein. Aber ich mache ja von Anfang an die Ansage, dass ich keine Beziehung will.

Bist du schon mal verlassen worden?

Ich bin schon mal abgeblitzt. Aber Schluss gemacht habe bisher immer ich selbst.

Max spielt wieder mit seinem Piercing an der Unterlippe. Er hat es sich wegen eines Mädchens stechen lassen, das er im Urlaub auf dem Campingplatz kennenlernte. Das Mädchen trug ebenfalls eins. Nach drei Tagen Flirten reiste sie mit ihren Eltern ab – sie sagte ihm nicht Bescheid.

Schreibst du Gedichte über Sachen, die dich beschäftigen?

Ich schreibe Songs, keine Liebesbriefe, keine langen SMS. Frauen beschäftigen sich viel länger mit so was. Ich kann noch nicht mal mit T 9 schreiben. Da kommt immer das falsche Wort raus.

Du bist also kein bisschen romantisch?

Ich bin kein Kerzentyp, aber ich kann kochen. Was für mich typisch romantisch ist: Reis mit Fisch.

Reis ist romantisch?

Nicht den normalen Reis, den mit den schwarzen Stücken.

Der Wildreis-Typ.

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