Werbinich : Mit Selbstbewusstsein aus dem Jammertal

Susanne Vieth-Entus

Lehrer sind die Hauptkunden von Stresstherapeuten und Psychologen. Mehr als ein Drittel der deutschen Pädagogen leidet unter Symptomen, die man als „Burnout“ (Ausbrennen) bezeichnet. Sie reichen von starker Erschöpfung bis zu Depressionen mit psychosomatischen Folgen. Ein weiteres Drittel ist stark gefährdet, ebenfalls krank zu werden. Mittlerweile haben nicht nur die Finanzpolitiker erkannt, dass es gesamtgesellschaftliche Folgen hat, wenn so viele Lehrer dauerhaft krank sind und immer früher pensioniert werden müssen. Denn nur mit gesunden Lehrern lassen sich die Reformen umsetzen, deren Dringlichkeit die PisaStudie allen vor Augen geführt hat. Immer mehr Bundesländer entwickeln deshalb zurzeit Projekte, um die Gesundheit der Lehrer und damit auch das gesamte Schulklima zu verbessern.

Der Psychologe Uwe Scharrschmidt von der Universität Potsdam hat vor vier Jahren erstmals ermittelt, wie viele Lehrer an Burnout-Symptomen leiden und damit das Ausmaß deutlich gemacht. Seine Studie im Auftrag des Deutschen Beamtenbundes läuft noch bis zum Jahr 2007 und will nach der bedrückenden Bestandsaufnahme unter 7000 Lehrern Lösungswege aufzeigen (siehe Kasten).

Denn selbst die Lehrer-Gewerkschaft (GEW) hat eingesehen, dass es keinen gefährdeten Lehrer rettet, immer nur eine Reduzierung der Pflichtstundenzahl zu fordern. Deshalb sucht die Gewerkschaft auch in Berlin zusammen mit der Schulverwaltung nach Auswegen. Der neueste Versuch ist das Projekt „Anschub.de“, das mit Unterstützung der Bertelsmann-Stiftung nach den Ferien an elf Berliner Schulen startet und neben der Schüler- auch die Lehrergesundheit verbessern will.

Darüber hinaus fordert die Schulverwaltung die Schulen auf, „Gesundheitszirkel“ zu gründen, in denen die Pädagogen zusammen mit den Schulleitern die oft hausgemachten Ursachen für Frust, Stress und Krankheit beheben sollen. Auch das basiert auf der Überzeugung, dass die Lehrer selbst einiges tun können, um ihre Arbeit zu erleichtern und wieder Vertrauen in ihre Kompetenzen zu fassen. Dass Selbstbewusstsein ein wichtiger Schutzschild gegen Stress und Erkrankung ist, bewies kürzlich auch das bundesweite Forschungsprojekt des FUGesundheitspsychologen Ralf Schwarzer am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Lehrer, die von ihrer „Selbstwirksamkeit“ überzeugt sind, werden sehr viel seltener krank.

Weitere Infos unter www.anschub.de

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