Werbinich : Muammar Gaddafi

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Von Muammar al Gaddafi war diese Woche viel in den Zeitungen zu lesen. Es ging auch um einen Berliner Club – die Disco La Belle. Was war da los?

Das ist eine komplizierte Geschichte. Erstmal ist Gaddafi der Staatschef von Libyen. Libyen ist ein Land in Nordafrika. Die Hauptstadt heißt Tripolis. Lange Zeit war Libyen bei den meisten anderen Ländern nicht besonders beliebt. Gaddafi hat in den 70erJahren eine „Kulturrevolution“ in seinem Land gemacht. Fortan war es irgendwie sozialistisch, was für die Libyer bedeutete, dass sie keinen Alkohol mehr trinken durften und die Prostitution abgeschafft wurde.

Und deswegen haben die anderen Länder ihre Diplomaten abgezogen?

Nicht direkt. Gaddafi hat auch bestimmt, dass sich alle nach dem Koran und seinem eigenen Buch („Das Grüne Buch“) richten sollen. Die westlichen Länder konnte er nicht leiden, weil die sein Buch albern fanden und die Bibel besser als den Koran. Libyer, die gegen ihn waren, ließ er verfolgen. Dann hat er eine Reihe brutaler Anschläge veranlasst. Zum Beispiel haben seine Verbündeten am 5. April 1986 im La Belle eine Bombe explodieren lassen. Dabei starben drei Menschen, die sich eigentlich einen schönen Abend machen wollten, und 200 Leute wurden verletzt. Ins La Belle gingen immer viele Amerikaner. Zwei Jahre später explodierte ein amerikanisches Flugzeug, das gerade über den schottischen Ort Lockerbie flog. 270 Menschen kamen um. Daraufhin haben die USA Tripolis bombardiert. Dabei starben rund hundert Menschen – auch Gaddafis Tochter. Erst letzten Sommer hat Gaddafi zugegeben, dass sein Geheimdienst für Lockerbie verantwortlich ist. Am Dienstag hat er versprochen, dass er den Familien der La-Belle-Opfer Geld überweisen will. Aber er hat abgestritten hat, dass seine Leute die Bombe gezündet haben.

Aha. Aber Geld kann die Leute doch sicher auch nicht trösten.

Ja, das stimmt. Aber in der Sprache internationaler Beziehungen bedeuten so genannte „Entschädigungen“: Ich will, dass ihr wieder mit uns redet. Es ist ein erster Schritt.

Und was passiert jetzt?

Im Herbst will Bundeskanzler Gerhard Schröder Gaddafi besuchen.

Was? Wieso denn?

Offiziell heißt es: Deutschland möchte Libyen bei der Modernisierung seiner Wirtschaft unterstützen. Vielleicht bauen bald schon deutsche Unternehmen Straßen in dem Land. Der Kanzler weiß nämlich, dass Gaddafi jede Menge Geld hat: Er soll im Jahr 2000 25 Millionen Dollar Lösegeld an philippinische Geiselnehmer überwiesen haben, die Familie Wallert auf Jolo entführt hatten.

Ist es so, dass alle Geschichten über Gaddafi irgendwie mit Geld zu tun haben?

Das könnte sein. oom

Nicht zu verwechseln mit Reinhard Bütikofer und Mounir al Motassadeq

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