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Nachwuchsmusiker : Auf den Straßen Berlins

14.11.2012 00:00 UhrVon Saara Wendisch
„I’m your’s“. Den Song von Jason Mraz mag Jonny Kersten am liebsten. Für den 22-Jährigen aus Tempelhof ist Straßenmusik „ein gut bezahlter Nebenjob“. Foto: Saara WendischBild vergrößern
„I’m your’s“. Den Song von Jason Mraz mag Jonny Kersten am liebsten. Für den 22-Jährigen aus Tempelhof ist Straßenmusik „ein gut bezahlter Nebenjob“. - Foto: Saara Wendisch

Möglichkeiten, entdeckt zu werden, gibt es täglich. Sie treten auf Plätzen und in Parks auf, manche zum Spaß, manche fürs Geld. Hier stellen wir Ihnen vier junge Straßenmusiker vor.

Sie würden nie in U- oder S-Bahn- oder Straßenbahn-Waggons spielen. Das fänden sie aufdringlich – mal ganz abgesehen davon, dass es verboten ist. Sie treten, wie die meisten Straßenmusiker in Berlin, in Parks oder auf Plätzen auf. Da braucht nur zu bleiben, wem die Musik gefällt. Performance auf der Straße aber muss für sie sein, der enge Kontakt zum Publikum. Und schließlich war für manchen die Straße das Sprungbrett zur Karriere: Die Berliner Band „Ohrbooten“ wurde einst auf dem Boxhagener Platz entdeckt. Und vielleicht sind diese vier schon auf dem Weg zum Erfolg.

Sara Serodio aus Portugal, 25, studiert in Berlin Architektur. In ihrer Freizeit tritt sie am Hackeschen Markt auf. Foto: Saara WendischBild vergrößern
Sara Serodio aus Portugal, 25, studiert in Berlin Architektur. In ihrer Freizeit tritt sie am Hackeschen Markt auf. - Foto: Saara Wendisch

Sara aus Portugal. Ihre Bühne ist heute der S-Bahnhof Hackescher Markt. In ihrem Haar, zu Zöpfen geflochten, steckt eine Blume. Sara Serodio (25) kommt aus Portugal. Ihre Stimme klingt ein wenig nach Alanis Morissette. Leute bleiben stehen, als sie „Here I go again“, einen Achtziger-Jahre-Hit der Hard-Rock-Band Whitesnake, spielt. Ein Passant kennt den Text und singt mit. Seit vier Jahren spielt Sara Gitarre. Seit dem Sommer traut sie sich den Auftritt auf Berlins Straßen zu. „Die Reaktionen zeigen mir, dass ich weitermachen muss.“ Viermal die Woche spielt sie am Hackeschen Markt oder am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg. „I can see clearly now“ von Johnny Nash, sagt sie, passe am besten zu Berlin. „Wenn nach Regentagen die Sonne rauskommt, sind alle hier netter zueinander. Diese Leichtigkeit gefällt mir.“ Mit 18 kam Sara fürs Architekturstudium nach Berlin, fünfmal ist sie umgezogen, wurde in Alt-Tempelhof heimisch. Musik ist ihre Leidenschaft, ihre Liebe die Architektur – die gibt sie nicht auf. Seit ein paar Monaten tritt Sara in Bars auf, singt eigene Songs über Liebe, Frust und Freundschaft. „Das muss einfach raus.“

„Cool ist, wenn die Leute anfangen zu tanzen.“ Jürgen Meyer, 21, schleppt alle zwei Wochen sein Schlagzeug auf die Oberbaumbrücke, um dort mit zwei Freunden zu jammen. Foto: Saara WendischBild vergrößern
„Cool ist, wenn die Leute anfangen zu tanzen.“ Jürgen Meyer, 21, schleppt alle zwei Wochen sein Schlagzeug auf die Oberbaumbrücke, um dort mit zwei Freunden zu jammen. - Foto: Saara Wendisch

Jürgen aus dem Wrangelkiez. Schlagzeug ist das Richtige für den 21-Jährigen. Alle zwei Wochen schleppt Jürgen Meyer es auf die Oberbaumbrücke, um dort mit zwei Freunden, einem Gitarristen und einem Saxofonisten, zu jammen. „Alles ist improvisiert“, sagt er. Geld lassen die Zuhörer kaum da, darum geht es nicht. „Cool ist, wenn die Leute stehen bleiben und tanzen.“ Schnell haben sich an diesem Abend unter dem Brückenbogen ein paar Clubgänger versammelt und gehen mit wie auf einem richtigen Konzert. „Es kommt auch vor, dass fremde Musiker stehen bleiben und mitspielen“, sagt Jürgen. Er wohnt am Schlesischen Tor, studiert an der FU in Dahlem Psychologie und spielt nebenher in einer Bigband. Mit zwölf begann er mit dem Schlagzeugunterricht, noch heute probt er täglich. Noch kann er sich nicht entscheiden: Psychologe werden oder die Aufnahmeprüfung für eine Musikhochschule machen.

„I’m your’s“. Den Song von Jason Mraz mag Jonny Kersten am liebsten. Für den 22-Jährigen aus Tempelhof ist Straßenmusik „ein gut bezahlter Nebenjob“. Foto: Saara WendischBild vergrößern
„I’m your’s“. Den Song von Jason Mraz mag Jonny Kersten am liebsten. Für den 22-Jährigen aus Tempelhof ist Straßenmusik „ein gut bezahlter Nebenjob“. - Foto: Saara Wendisch

Jonny aus Alt-Tempelhof. Für Jonny Kersten (22) ist die Musik „ein gut bezahlter Nebenjob“. Mit 18 stellte sich der gebürtige Berliner das erste Mal in den Monbijoupark in Mitte und spielte Lieder aus seinem Gesangbuch. Ermutigt hatte ihn seine Mutter. An diesem ersten Tag als Straßenmusikant kamen zwölf Euro zusammen. „Obwohl ich die Lieder noch nicht einmal auswendig konnte.“ Heute verdient er deutlich mehr, übt aber auch mehr und bereitet sich besser vor. Mehrmals die Woche steht er mit seiner Westerngitarre auf dem Alex oder am Halleschen Tor. Jonny schreibt seine eigenen Texte, spielt aber auch Coversongs, die er neu interpretiert. Eines seiner Lieblingslieder ist „I am yours“ von Jason Mraz. Bei Youtube hat er Musikvideos von sich hochgeladen, die er selber aufgenommen hat. „Der Gedanke, von der Musik leben zu können, beschäftigt mich durchaus“, sagt er. Allerdings, fürchtet er, könnte dann auch schnell der Spaß verloren gehen.

Byron Carrasco, 25, aus Ecuador spielt am liebsten mit seinem Charango südamerikanische Folklore. Foto: Saara WendischBild vergrößern
Byron Carrasco, 25, aus Ecuador spielt am liebsten mit seinem Charango südamerikanische Folklore. - Foto: Saara Wendisch

Byron aus Prenzlauer Berg. Neulich hat ihn das ecuadorianische Fernsehen gefilmt, und auch die lateinamerikanischen Botschaften laden Byron Carrasco (25) und seine Band „Musicalle“ zu Auftritten ein. Der Name ist Spanisch und steht für Musik auf der Straße. Byron stammt aus Ecuador und studiert in Potsdam Musik und Spanisch auf Lehramt. Für seinen Lebensunterhalt gibt er Gitarrenunterricht und arbeitet im Callcenter. „Das meiste Geld verdiene ich aber mit der Straßenmusik“, sagt er. Am liebsten spielt er südamerikanische Folklore mit seinem Charango, einem Zupfinstrument aus den Anden, das aussieht wie eine kleine Gitarre. Schlechte Erfahrungen mit dem Berliner Publikum hat er noch nie gemacht. Treffen kann man ihn mit oder ohne Band im Mauerpark oder in der Bergmannstraße – wenn er nicht gerade auf Tournee ist. Im Sommer reiste er mit seinem Bandkollegen von Spanien nach Deutschland. Innerhalb von zwei Wochen hatten sie so viel Geld verdient wie sonst in einem Monat. Berlin ist seine zweite Heimat geworden. Nur der graue Winter stört ihn. www.myspace.com/musicalles

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