Werbinich : Österliche Ruhe

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Es klingt wie eine Nachricht aus einer anderen Zeit: Zum siebten Mal wird der Berliner Präventionspreis gegen Gewalt ausgeschrieben, der Schwerpunkt dieses Jahr liegt auf der psychischen Gewalt. Während manche Berliner Hauptschulen nicht mehr weiter wissen angesichts einer zunehmenden Gewalt in den Klassenzimmern, klingt die Routine der jährlichen Ausschreibung, die diesjährige Schwerpunktsetzung und die Höhe des Preisgeldes fast niedlich. 12 500 Euro bekommt der Sieger, 2000 und 1000 Euro die Projekte, die auf den zweiten, dritten und vierten Platz kommen.

Ein Preis hier, ein Wettbewerb da und diverse Schulversuche, man konnte in den vergangenen Jahren durchaus das Gefühl haben, dass sich in der Stadt eine Menge tut, um die Verrohung von Jugendlichen aufzuhalten. Mit diesem Gefühl konnte man sich prima zurücklehnen. Viele dieser Projekte sind wichtig, und auch Mobbing ist ein ernstes Thema, bewirkt haben die Projekte aber offenbar zu wenig. Die Landesmittel wurden meistens an die großen Organisationen verteilt anstatt an die kleinen Kiez-Initiativen. Die kleinen sind zwar näher an den konkreten Problemen dran, aber man kannte sie halt nicht so gut und machte sich auch nicht die Mühe, sie kennen zu lernen.

Aber das ändert sich ja nun vielleicht. Eine Äußerung des Schulsenators vor zwei Wochen, wie wichtig doch gerade diese Initiativen sind und dass sie gefördert gehören, macht Hoffnung, dass das Land hier eine neue Richtung einschlägt. Noch fünf Tage dauert die Osterpause. Dann wird sich zeigen, wie ernst gemeint die Aufregung um die Rütli-Schule und das ganze Integrationsgefasel der Politiker in den vergangenen zehn Tagen war. Dann muss es konkrete Schritte geben. clk

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