Open-Air-Saison : Raus geht’s

Die Open-Air-Festivalsaison ist eröffnet. Aber wie steht man den Konzertmarathon durch? Unser ABC liefert wertvolle Tipps.

Constanze Bilogan
Jetzt geht's los. Bier, Musik und Camping - Festivals sind ein Erlebnis für sich.
Jetzt geht's los. Bier, Musik und Camping - Festivals sind ein Erlebnis für sich.Foto: dpa

A WIE ANREISE

Die erste Party steigt nicht auf dem Campingplatz, sondern auf der Autobahn im Stau. Wenn ihr den Unfall dank der von Zelten und Schlafsäcken versperrten Sicht nicht selbst verursacht habt, haltet wenigstens den Gaskocher für die ersten Dosenravioli bereit. Sollte die Sonne scheinen, genießt es, denn auf dem Festival wird es regnen. Sicher.

B WIE BIERBALL

Je besser das Festival, desto mehr Zeit hat man für Bierball. Man kann von Glück reden, wenn man nach drei Tagen spielerischen Dauertrinkens überhaupt die Konzerte der Headliner gesehen hat. Würstchen und der gemütliche Campingstuhl tun ihr Übriges. „Aber zur Show von Casper um 16 Uhr gehen wir WIRKLICH!“

C WIE CAMPING

Kein Camping, kein Festival. Schließlich will man keiner von den Schlaffis sein, die mit Campingmobil und gesamtem Hausrat anrollen. Dusche? Waschbecken? Herd? Zum echten Festivalerlebnis gehören Gestank, ein explodierter Campingkocher, ein löchriges Zelt und Bier, warm aus dem Schlauch.

D WIE DIXIKLO

Der schwülste Ort des Festivals. Nicht zu empfehlen bei 30 Grad im Schatten und auch sonst nicht. Drin ist es heiß wie in der Sauna, Klopapier ist nach zwei Stunden Festival alle, einzig zum schnelleren Brechreiz bei schlimmem Kater ist ein Besuch des Dixiklos sinnvoll. Am besten man unterdrückt den Toilettendrang und geht nach drei Tagen zu Hause aufs Klo.

E WIE ELEKTROLYTE

Sollten nicht unterschätzt werden. Was beim Feiern gilt, gilt auf dem Festival erst recht. Gut möglich, dass man nach vier Litern Bier komplett ausgetrocknet in der Ecke liegt und auch der Geruch der eigenen Socken einem nicht mehr auf die Beine hilft. Und nein, Dosenravioli sind nicht nahrhaft. Also immer ein Tütchen dabei haben, dann klappt das mit dem Kreislauf auch wieder.

F WIE FLASCHE

Streng verboten auf dem Festivalgelände. Schließlich könnte man damit seinen Lieblingssänger am Kopf treffen oder Amok laufen. Also bastelt man sich besser praktische Umhängetaschen aus Tetrapaks und Panzertape. Einfach den guten Asti Spumante umgehängt und los geht der Spaß.

G WIE GRILLEN

Essentielle, tagesfüllende Dauerbeschäftigung. Der Grill ist auf dem Festival immer an. Geht die Grillkohle zur Neige, bedient man sich Brennmaterialien aus der näheren Umgebung. Ob PVC, Papier, Holz oder Hartplastik, mit ein bisschen Grillanzünder brennt alles und verleiht dem abgelaufenen Fleisch eine würzige bis intensive Geschmacksnote.

H WIE HIPSTER

Wie eine unumgehbare Invasion haben sie nun auch die Festivals in der Hand. Styling ist das A und O, bei jedem Wetter. Sie bilden kommunenartige Zeltstädte, sind immer top frisiert oder aber im stylischen „Undone“-Look unterwegs. Must-Have: Glitzer im Gesicht, ein Band um den Kopf und Gummistiefel zum Kleidchen. Nur auf dem Wacken ist man vor ihnen noch sicher.

I WIE IGITT

Universelle Reaktion auf diverse Festivalphänomene. Sei es das frisch gestochene, verschmutzte Tattoo des Nachbarn, die verschrumpelte Wurst vom Vortag oder der Geruch des eigenen Zelts. Igitt passt zu jeder Situation.

J WIE JOINT

Nicht mehr nur auf Reggae-Festivals liegt der würzig süßliche Geruch in der Luft. Mit dem Joint ist auch eine schnelle Beruhigung in brenzligen Situationen möglich, zum Beispiel wenn der Auftritt von Muse kurzfristig durch die Söhne Mannheims ersetzt wurde.

K WIE KOTZEN

Eng verknüpft mit dem Dixiklo, aber auch hervorgerufen durch abgelaufenes Grillfleisch, akuten Sonnenstich oder den Anblick des nackten Zeltnachbarn. Zur Vorbeugung muss man nur wenige Regeln beachten: Kein Bierball bei praller Sonne, Finger weg von der weggeworfenen Grillwurst am Wegesrand, auch Alkohol schützt nicht vor Lebensmittelvergiftung.

L WIE LIEBE

Es soll durchaus möglich sein, auf einem Festival seiner großen Liebe zu begegnen. Man beachte aber: Hier ist nichts so, wie es scheint. Mit vernebelten Sinnen von Joints, dampfenden Dixiklos und ordentlich Bier könnte es sein, dass man nicht mehr zu rationalen Entscheidungen fähig ist. Liebe ist aber eh nicht rational, also immer ran da. Nur das Erwachen könnte schmerzhaft werden.

M WIE MÜLL

Würde man seinen Müll direkt in die verteilten Müllsäcke stopfen und auf die zwölf Euro Müllpfand hoffen, mit denen man sich zehn Dosen No-Name-Bier kaufen kann, würde es auf dem Zeltplatz um einiges gesitteter aussehen. Da ein Festival aber nicht gesittet abläuft, hat am Ende der Nüchternste den Schwarzen Peter und darf noch nicht als Grillkohle verwendeten Plastikmüll auflesen. Das Bier trinken dann die anderen.

N WIE NASS

Wird es auf jedem Festival. Wem Regenjacken zu uncool sind, einfach Loch in einen Müllsack geschnitten und im Matsch getanzt. Für horrende Preise kann man sicher auch vor Ort Regencapes mit Totenkopf- oder Kirschenprint erwerben. Sehen schön aus, sind aber selten wasserdicht.

O WIE OHROPAX

Geht man der neuen Zeltplatzbekanntschaft wegen zum Rammstein–Konzert, sind Ohropax für gemäßigte Indie-Rock-Fans unverzichtbar. Nachts kann man sie schlafenden Zeltkollegen zur Schalldämmung in die Nase stecken.

P WIE PENIS

In der Symbolsprache der Festivalbesucher sind Penisse ganz weit vorne. Gerne werden sie mit Edding auf Haut und Gegenständen verbreitet. Wer schlapp macht, wird angemalt.

Q WIE QUADDELN

Die einen reagieren mit Brechreiz auf tägliche Ekel des Festivals, wie zum Beispiel ein Spinnennest unter dem Zelt. Andere kriegen mutierenden Hautausschlag und einen Besuch im Sanitätszelt gratis.

R WIE RAVIOLI

Kommen im normalen Leben nie auf den Tisch, entpuppen sich in der Festivalparallelwelt aber als absolute Delikatesse. Für Abwechslung sorgen die Sorten Bolognese oder Diavoli. Heiß, kalt, von gestern – Ravioli gehen immer.

S WIE SEX

Kommt vor. Ist allerdings nicht zu empfehlen auf Dixiklos oder wenn man morgens merkt, dass man es nach 36 Runden Bierball irgendwie nicht mehr in sein eigenes Zelt geschafft hat. Sollte der Zeltnachbar dann auch noch Schnarchen, affenähnlich behaart sein und mit einem Müllsack kuscheln, wäre es ratsam, angestauten Trieb zu unterdrücken.

T WIE TINNITUS

Wie bitte? Ich hab dich nicht verstanden.

U WIE URIN

Löst von Zeit zu Zeit beißend den süßlichen Geruch des Joints ab und ist besonders am Zaun allgegenwärtig. Männer benutzen schon lange kein Dixiklo mehr.

V WIE VEGETARIER

Sind mutig und meist in die Kategorie Hipster einzusortieren. Sie grillen heldenhaft ihre Sojaschnitzel und Getreidebällchen und haben sich dafür einen Extra-Grill mitgebracht. Sie lassen sich durch keinerlei Festivalgetier aus der Ruhe bringen, Spinnen und Mücken haben schließlich auch eine Daseinsberechtigung.

W WIE WASCHEN

Komplett überbewertet und nicht sinnvoll. Dank des staubigen Untergrunds ist man nach einem Schritt aus dem Waschcontainer sowieso wieder verkrustet.

X WIE X-BEINE

Können verschiedene Ursachen haben. Entweder man nimmt sich tatsächlich den Tipp zu Herzen und geht erst zu Hause wieder aufs Klo. Oder man hat versucht, eine Flasche mit aufs Festivalgelände zu nehmen und sich dann auch noch geweigert, sie abzugeben. Oder man wollte dem Zeltnachbarn heimlich eine Grillwurst und eine Dose Bier entwenden. Die Reaktionen sind ähnlich.

Y WIE YOGA

Der neue Festival-Trendsport. Für Vegetarier mit hypergesunder Einstellung oder wenn mal kein Joint zur Hand ist: Yoga ist perfekt, um den Mief des Festivalalltags zur vergessen. Oder aber, um das Konzert von Katy Perry zu ertragen.

Z WIE ZOMBIE

Was wir nur aus platten Splatter-Filmen kennen, wird am Festivalmontag grausame Wirklichkeit. Was sich um zehn aus sämtlichen Zelten erhebt, um die restlichen Bierdosen fürs Pfand einzusammeln, könnte genauso gut in „Resident Evil“ von Milla Jovovich gejagt werden. Aber: Je furchterregender das Aussehen, desto besser war das Festival.

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