Werbinich : Plakative Selbsthilfe

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Autofahrer und Passanten hatten was zu schauen vergangenen Dienstag in der Beuthstraße: Neben der Senatsverwaltung für Bildung bemalte ein halbes Dutzend Lehrer eine riesige Plakatwand: Ein armes Menschlein war darauf zu sehen, das im Zahlenmeer ertrinkt.

Wer mehr erfahren wollte, musste näher herantreten. Dann las man im Kleingedruckten, dass es um das Thema „Rechenschwäche“ ging und dass die NikolausAugust-Otto-Hauptschule vor einem Jahr darum gebeten hatte, mehr Unterstützung für rechenschwache Schüler zu bekommen. Selbst der Antwortbrief des Staatssekretärs war abgedruckt, der versprach, dass sich eine Arbeitsgruppe des Themas annehmen werde. Das ist neun Monate her.

Erstaunlicherweise gab es seitens der Senatsverwaltung keine Schelte für diese Art der Öffentlichkeitsarbeit. Vielmehr beeilte sie sich zu beteuern, dass die Monate keineswegs tatenlos verstrichen seien. Die Arbeitsgruppe gebe es wirklich und ihre Ergebnisse würden den Hauptschulleitern am Wochenende auf einer Arbeitstagung mitgeteilt.

Tatsächlich wurde dies ein gutes Wochenende für alle, die mit dem Thema Rechenschwäche zu tun haben. Den Hauptschulleitern wurde zugesagt, dass jetzt ein besseres Verfahren für die Diagnose von Rechenschwäche entwickelt werden solle. Zum anderen beschäftigte sich ein Kongress an der Humboldt-Universität mit dem Thema. Und der erbrachte ein paar Vorschläge, was zu tun sei. So appellierten die Wissenschaftler, dass die Erzieher lernen müssen, wie sie den Kindern frühzeitig Mengenbegriffe vermitteln. Und die Grundschullehrer sollten schon im Studium lernen, wie man Rechenschwäche diagnostiziert und wie man den Schülern helfen kann.

Immerhin ist damit klar, dass das Thema Rechenschwäche endlich ernst genommen wird. sve

Das Plakat der Nikolaus-August-Otto-Hauptschule hängt noch bis Donnerstag in der Beuthstraße.

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