POETIN der Woche : Nur sich selbst und ganz allein

(21)

Ein dröhnender Knall,

so wacht er auf,

das helle Licht will ihm droh’n.

So nimmt der Tag wieder seinen Lauf,

so tat er es gestern schon.

Eine schwarze Wolke

aus dreckigem Staub,

hüllt ihn ein,

doch hält ihn nicht warm.

Auf seinem Lager aus nassem Laub,

er hält nur sich selbst im Arm.

Eine Frau läuft vorbei,

die duftet so gut.

Er schaut hoch mit flehendem Blick.

Doch sie wirft nichts

in seinen verfilzten Hut,

läuft weiter, schaut nicht mal zurück.

Das kennt er schon,

das macht ihm nichts aus,

schließt die Augen,

versucht zu dösen.

Über ihm klebt ein Schild,

da steht: „Hoch hinaus!“

Er weiß es nicht, er kann nicht lesen.

Der Wind wird kälter,

fährt ihm ins Gesicht

Er hat nichts, um sich zu schützen.

Bewegung hält warm,

das weiß er zwar,

doch friert er und zittert

und bleibt sitzen.

So friert er und sitzt dort stundenlang,

lauscht Geräuschen und jedem Ton.

Der Windzug hat stets

den gleichen Klang:

Kalt und schneidend und voller Hohn.

Gegen Abend wird’s Jemandem

warm um’s Herz,

geht zu ihm,

bringt ihm Münzen und Brot.

Das „Danke“ hört Jemand

schon gar nicht mehr,

ist beschäftigt mit eigener Not.

Es wird dunkel,

die Lichter werden wach.

Und immer noch sitzt er da.

Um ihn herum

taucht alles in schwarze Nacht,

das kennt und liebt er ja.

Jetzt sieht ihn keiner,

schaut niemand hinab

und vorbei an seinem Hut.

Er legt sich hin,

sein Atem wird flach,

ist alleine, das tut ihm gut.

Hat die Augen zu

und denkt an die Frau,

die weiterlief, und wie sie roch.

An vieles erinnert er sich genau.

An vieles – atmet er noch?

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