Politisch mitmischen : Welche Themen Jugendliche erreichen

Die heutigen Jugendlichen wissen kaum, wofür sie sich eigentlich einsetzen sollen. Und wenn sich ein Thema findet, wofür sie brennen, gibt es niemanden, der als Galionsfigur fungiert.

Adrian-Finn Lacin

Ich muss zugeben, wirklich für Politik interessieren tue ich mich erst seit ich ungefähr sechzehn Jahre alt bin. Meine früheren Bekundungen zu Politik und allen möglichen Ereignissen in der Welt waren eher Teil einer Imagepflege, die mir damals noch sehr wichtig war. Man musste etwas zu sagen haben, oder einfacher: man sollte am besten die Meinung derer vertreten, die schon immer ein Symbol für Revolution und Widerstand waren. Kurzerhand erklärt man dann die üblichen Verdächtigen zu seinen Vorbildern. Che Guevara, Gandhi, Malcolm X. Und das, ohne wirklich eine Ahnung von dem zu haben, was diese Menschen überhaupt für Ziele hatten. Ich ging also mit meinen Mitschülern auf sogenannte Schulstreiks um mir einzubilden, dass diese wirklich etwas bewirkten und ich nebenbei noch die Schule zu schwänzen konnte. Mehr war nicht drin zu dieser Zeit.

Und wenn man dann alt genug ist?

Das Problem – oder vielleicht auch ein Vorteil – der heutigen Jugendlichen ist erstens, dass sie nicht mehr genau wissen, wogegen oder wofür sie sich eigentlich einsetzen sollen. Zweitens, sie wenn sie erst einmal etwas gefunden haben wofür sie brennen und an dem sie etwas ändern wollen, es niemanden gibt, der als Galionsfigur fungiert und an dessen Äußerungen sie sich halten können.

Nehmen wir das aktuellste Beispiel, die Anti-Atomkraft-Bewegung. Haben wir da wirklich Sorge um unser eigenes Land? Um unsere eigenen Familien? Oder ist es zurzeit einfach nur cool so zu tun als würde man sich dafür interessieren, weil man einfach nicht drum herum kommt sich mit dem Thema auseinanderzusetzen? Beides würde ich sagen. Jedem wird mulmig zumute bei dem Gedanken eine solche Katastrophe könnte in der Nähe Deutschlands oder womöglich sogar direkt im eigenen Land passieren. Und ich will mir nicht anmaßen zu behaupten, dass es die meisten jungen Menschen kein Stück interessiert, inwiefern unsere Erde unter den Folgen der Nutzung von Atomkraft leidet. Ich glaube, es ist das erste Thema seit Jahren, das wirklich jeden erreicht. Vielleicht auch nur oberflächlich. Aber so lange dabei die  Grundhaltung „Atomkraft? Nein danke!“  herauskommt, schadet die Oberflächlichkeit ja nichts. Adrian-Finn Lacin, 18 Jahre

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