Remmidemmi (I) : So machen Mädchen Urlaub

Zwei Reisen, ein Ferienziel. Unsere Autoren waren in Rimini mit ihren Freunden. Die eine mit ihren Mädels, der andere mit seinen Kumpels. Und was ist besser – Jungs- oder Mädchenurlaub? .

Elena Senft
Mädchenurlaub
Na dann: Prost! Sage bitte keiner, Mädchen würden nicht auch ständig eine Flasche in der Hand haben.Foto: Goettlicher/Visum

An Tag drei hatte auch die letzte von uns entschieden, dass sie sich für den Rest des Urlaubs nicht mehr die Beine rasieren wird. Klar ist es heiß in Italien und man trägt Röcke, aber wir waren schließlich im Urlaub und wann, wenn nicht dann, soll man denn mal gucken, wie lang Beinhaare eigentlich werden, wenn man die nicht abmacht? Und mal ganz im Ernst: die meisten Typen in Rimini sind eh schlimm, und was ist da ein besserer Schutz, wenn man keine Lust hat, angebaggert zu werden?

Wir wollten nicht über Männer reden ...

Schließlich hatten wir vereinbart, dass im Urlaub nicht über Männer geredet wird. Na gut, nach zwei Flaschen italienischem Wein höchstens mal kurz, aber dann auch nur, wenn es der betreffenden Person echt nicht gut geht und ihr zuvor das Handy abgenommen wurde. Handys durften sowieso nur alle zwei Tage angeschaltet werden, um mal die Mutter anzurufen, um kurz zu sagen, dass man, nein, dass man es, ja ja, es geht uns gut, danke. Nein, zum Schiefen Turm von Pisa haben wir es leider noch nicht geschafft, ja, soll wirklich schön sein, Wetter ist, du Mama, Funkloch, ich hör dich ganz schlecht …

Interrail-Rucksäcke sind nichts für Mädchen. Wir hatten sie trotzdem gepackt und waren mit dem Zug nach Italien gefahren. Interrail, das roch anfangs nach Abenteuer und dann doch nur nach alten Flipflops. Anna hatte die Hälfte ihres Rucksacks mit Fertignudelgerichten gefüllt, die hinterher den Weg ungeöffnet wieder mit nach Deutschland antraten. Kirsten hatte einen separaten, mannsschweren Kulturkoffer dabei, der alles enthielt, was man sich vorstellen konnte: Feuchte Abschminktücher, die „Pille danach“, Ameisenfallen, Waschmittel, Tabletten mit Rauchervitaminen, von denen sie jeder von uns täglich eine verabreichte.

Plötzlich hatte Lisa Herpes

Aus dem Abenteuerurlaub wurde nichts. Nach einer Nacht in dem gefühlten 100-Mann-Bett-Zimmer einer Jugendherberge, das an ein Lazarettzelt erinnerte, hatte Lisa Herpes. Als wir es in Zelten auf einem Campingplatz versuchten, schlief ich in inniger Umarmung mit einem Paralspray ein und Anna fluchte. Am nächsten Morgen standen wir in den Sanitäranlagen des Campingplatzes unter der Sammelbrause und hatten keine Lust mehr. Dann kam die Idee mit den Bungalows, die man für viel Geld auch auf dem Campingplatzgelände mieten konnte. Wie die Kinder freuten wir uns, wenigstens die nächsten Tage bis zu unserer Weiterfahrt den Quatsch mit Gaskochern und Dosenravioli zu lassen und uns stattdessen mit einem richtigen Herd und echten Betten wie Menschen zu benehmen.

Kirsten gab ihr den Einwegrasierer

Zur Weiterfahrt kam es dann nicht mehr. Lisa verliebte sich. Das behauptete sie zumindest. Vielleicht wollte sie auch nur nicht ihren stinkigen Rucksack packen und weiterfahren. In den schmierigen Beau des Campingplatzes, der ab dem Moment den ganzen Tag pfeifend vor unserem Bungalow die Beete goss, während wir auf der Terrasse saßen und Psychotests aus Frauenzeitschriften machten. Lisa sagte: „Wenn ich euch wichtig bin, dann bleiben wir hier!“ Kirsten griff nach ihrem Kulturkoffer und reichte ihr wortlos einen Einwegrasierer.

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