Werbinich : Reserven – Reserven?

Susanne Vieth-Entus

War da was? Eigentlich wollte Berlin doch in diesem Jahr das ganz große Reformprojekt „Gemeinschaftsschule“ angehen. Aber zu hören ist kaum was davon. „Im Februar“, so verkündet Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) wird es Neuigkeiten geben: Eine Steuerungsgruppe und ein Konzept und und und. Dass sich im Moment kaum jemand so richtig für das alles interessiert, hat einen einfachen Grund: Schulen und Eltern haben andere Sorgen. Denn kurz vor den Winterferien und dem Ende des ersten Schulhalbjahres gibt es traditionell eine Bestandsaufnahme, um herauszufinden, welche Schulen zu viel oder zu wenig Personal haben.

Dieses Jahr ist dieses Procedere besonders schmerzhaft, denn die Bildungsverwaltung hat eine neue Devise ausgegeben und die lautet: Jede Schule, die mehr als eine halbe Lehrerstelle zu viel hat, muss abgeben. Dies aber bedeutet, dass es praktisch keine Vertretungsreserven mehr gibt. Die Schulen sind also gut beraten, wenn sie sich schleunigst eine Kartei mit Vertretungskräften wie Studenten oder Senioren zulegen, um auf eigene Faust den Betrieb am Laufen zu halten. Und dann kann man nur hoffen, dass es auch wirklich ab März Gelder gibt, um diese Honorarkräfte zu bezahlen.

Inzwischen machen aber schon wieder neue – freilich noch unbestätigte – Schreckensszenarien die Runde: Es heißt, dass es die schönen kleinen Klassen an Grundschulen mit hoher Migrantenquote nur für die ersten beiden Jahrgänge gibt. Das aber würde bedeuten, dass im Sommer kleine zweite Klassen zu größeren dritten Klassen zusammengelegt werden müssten – so, als wären alle Sprachprobleme nach zwei Jahren gelöst. Es gibt also weiter jede Menge Grund zum Kopfzerbrechen – auch jenseits der Gemeinschaftsschule.

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