Werbinich : Schon längst verplant

Luca Hyzdal[18 Jahre]

In Fukushima ist der Super-GAU da, in Deutschland wird gegen die Atompolitik protestiert – und siehe da, die AKWs bei uns werden überprüft und abgeschaltet. Wenn man knapp 50 Jahre zurückblickt, als das erste Atomkraftwerk in Deutschland in Betrieb genommen wurde, kann man sehen, wie blind die damaligen Politiker ans Werk gegangen sind. Atomenergie ist günstig und sauber. An den gravierend schädlichen Atommüll, der daraus entsteht, hat man aber einfach nicht gedacht. Erst im September letzten Jahres wurde die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke zurückgenommen, und jetzt, nach der Katastrophe in Japan, sieht plötzlich wieder alles ganz anders aus.

Man bekommt den Eindruck, dass unsere Atompolitik von Anfang an nicht richtig durchdacht war. Kein Mensch weiß, wo man den Atommüll lassen soll. Wir und alle Generationen danach werden sich genau mit diesem Problem auseinandersetzen müssen. Unsere Zukunft wurde von der Politik schon verplant, bevor wir überhaupt geboren wurden.

Früher hat man nicht an nachher gedacht, heute versucht man das nachzuholen und denkt trotzdem meistens an die Gegenwart. Später müssen wir versuchen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen.

Der Physiker Hans Joachim Schellnhuber hat dieses Verhalten sehr treffend mit der „Diktatur des Jetzt“ betitelt. Denn der Jahrhunderte lang strahlende Atommüll verringert sich nicht. Ganz im Gegenteil – er wird immer mehr und es wird schwieriger, ihn zu lagern. Im Moment scheint es noch das Wichtigste zu sein, dass Atomkraftwerke günstigen Strom produzieren. Noch kann man den Müll einfach herumliegen lassen. Aber das Problem wird wachsen, und wer soll es lösen? Vorerst meine Generation, von der jetzt noch nicht einmal alle wahlberechtigt sind. Die Politik hätte schon vor 50 Jahren viel weiter vorausschauen müssen. Spätestens jetzt sollten die Politiker nicht unserer Leben verplanen, sondern an später denken.Luca Hyzdal, 18 Jahre

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