Schüler über Guttenberg : Die Moral ist im Arsch

Unsere U-18-Autoren schreiben über den Fall Guttenberg. Max Deibert meint: Wer heute Hausaufgaben macht, braucht nur ein Blatt Papier, eine Internetflatrate und einen Drucker. Doch unmoralisch sein lohnt sich nicht - jedenfalls nicht für Nicht-Politiker.

Max Deibert

Früher war alles anders. Das höre ich oft. Wer früher seine Hausaufgaben machte, der holte ein weißes Blatt raus, zog einen sauberen Rand, zückte den frisch gefüllten Füllfederhalter und schrieb los. Wenn es zu Problemen kam, bei denen selbst Mutti nicht mehr weiterwusste, schwang man sich allen Witterungsverhältnissen zum Trotz auf sein Fahrrad und fuhr in die nächste Bücherei. Hier fand man zwischen „Winnetou“ und „Kabale und Liebe“ das gesuchte Sachbuch.

Heute ist wieder alles anders. Wer Hausaufgaben macht, braucht ein Blatt Papier, eine Internetflatrate und einen Drucker. Nach fünf Minuten hat man einen Text von irgendeinem hobbylosen Vollidioten aus dem Netz kopiert und kann danach in aller Ruhe mit Freunden chatten oder Zombies töten. Dass hinter den Texten, die man mal eben kopiert, viel Mühe und Herzblut steckt, interessiert den Dieb wenig. Es ist ja Internet: nur Einsen und Nullen.

Unsere Vorgängergeneration zieht nun auch ihren Nutzen aus modernen Medien, wie man zuletzt am Fall Guttenberg beobachten konnte. Dieser ist leider kein deprimierter Zehntklässler, der endlich eine Freundin haben will, sondern war unser Verteidigungsminister, ausgestattet mit einem Adelstitel, 30 Vornamen und einem Lächeln wie Florian Silbereisen.

Werde ich beim Schummeln erwischt, habe ich nicht die Möglichkeit, nach Amerika zu reisen und meinen Papa das hier für mich regeln zu lassen. Auch würde mir die Bildzeitung nicht unterstützend unter die Arme greifen und von meinem Comeback fantasieren. In Berliner Schulen prallen nun die Moralbegriffe aufeinander:

Die meisten Schüler sehen den Fall Guttenberg als Bestätigung dafür, dass Abschreiben salonfähig ist, während die Lehrer verstärkt nach Plagiatsversuchen Ausschau halten.

Mir war bislang nicht klar, dass bereits zwei aus Wikipedia kopierte Sätze zum Schulverweis führen können. Ich sehe allerdings auch kein Problem darin, in Zukunft sorgfältig auf Quellenangaben zu achten. Die Lehre aus dem Ganzen lautet für mich: Unmoralisch sein lohnt sich nicht – jedenfalls nicht für Nicht-Politiker. (Max Deibert, 16 Jahre)

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