SCHÜLERPRAKTIKUM : Hilfe auf vier Rädern

Wie ein Spendenaufruf und eine Reise in den Senegal meinen Blick fürs Wesentliche verändert haben.

Anna Will
Wieder mobil. Der Rollstuhl ermöglicht ein unabhängigeres Leben. Foto: AFP
Wieder mobil. Der Rollstuhl ermöglicht ein unabhängigeres Leben.Foto: AFP

An einem Dienstag im März 2009 kam ein Mann in unsere Klasse. Er stellte sich uns als Alain vor und erzählte von einem Projekt im Senegal, für das er ehrenamtlich arbeitete. So hörten wir, die Schüler der elften Klasse des John-Lennon-Gymnasiums in Mitte, zum ersten Mal von „Rollis für Afrika“. Dieser Verein sammelt Rollstühle und andere Hilfsmaterialien für behinderte Menschen, die in Deutschland nicht mehr genutzt werden. Per Schiff bringt er sie in den Senegal, dort werden sie verteilt. Hilfsmittel werden dort dringend benötigt. In Westafrika bekommen die Behinderten keine Unterstützung vom Staat. Für die Gesellschaft sind sie eine Last, ihre Familien empfinden sie als Schande.

Ein Rollstuhl kann in Afrika das Leben eines behinderten Menschens verändern. Mit ihm kann er sich allein und selbstständig fortbewegen; er kann am gesellschaftlichen Alltag teilhaben. Alain zeigte uns Videos von der letzten Projektreise. Wir sahen die Bilder, hörten Musik und begriffen, dass es wirklich möglich wäre, in dieses Land zu reisen und zu helfen. So entstand unser Traum - mit zwei Mitschülerinnen wollte ich in den Senegal reisen und helfen.

Das war einfacher gesagt, als getan. Es folgten Monate voller Ungewissheit und Organisationsstress. Doch plötzlich stand der Flugtermin fest. Erst als wir uns von unseren Familien verabschiedet hatten und in den Flieger gestiegen waren, begriffen wir, dass es wirklich losging. Nach neun Stunden Flug waren wir im Senegal.

Der erste Eindruck war überwältigend. Die Lebensfreude, Offenheit und Freundlichkeit der Menschen dort waren beeindruckend. Wir lernten, das afrikanische Französisch zu verstehen. In einem Behindertenzentrum trommelten wir mit den Einheimischen. Und wir erfuhren, wie die Senegalesen leben. Imponiert hat uns vor allem ihr positives Lebensgefühl. Sie begegneten uns sehr freundlich und aufgeschlossen, sie lachten viel.

Doch auch das herzlichste Lachen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es Behinderte in Westafrika unglaublich schwer haben. Das Voruteil, dass sie nichts zur Gemeinschaft beitragen könnten und somit nutzlos sind, ist weit verbreitet. Hinzu kommt, dass Gehbehinderte sich kaum fortbewegen können, einfach weil ihnen die Hilfsmittel fehlen.

„Rollis für Afrika“ will Abhilfe schaffen. Mit einem Team aus Krankenschwestern, Physiotherapeuten und weiteren freiwilligen Helfern. Mit einem Bus fuhren wir durchs Land - die Rollstühle auf dem Dach getürmt. Wir sprachen mit den Hilfsbedürftigen, mit jedem einzelnen, um herauszufinden, was genau ihm fehlt. So erfuhren wir viel über deren finanzielle Situation und sozialen Hintergrund. Mitunter dauerten die Touren mehr als zwölf Stunden - und das bei Temperaturen von 45 Grad.

Obwohl die Arbeit anstrengend war, habe ich viele schöne Erinnerungen mit nach Hause genommen. Sie zählen zu den schönsten meines Lebens. Immer wieder muss ich an die zwei Jungs denken, die sich dank der Rollis zum ersten Mal alleine bewegen konnten. Sie waren so glücklich, dass sie vor lauter Überschwang Fangen spielten. Ihr ausgelassenes Lachen habe ich immer noch vor Augen. Und mich beflügelt seither das Gefühl zu wissen, wie einfach es ist, Menschen zu helfen.


Weitere Infos über „Rollis für Afrika“ unter: www.rollis-fuer-afrika.de

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