Werbinich : Schulleiter gesucht

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Vor einer Woche haben wir berichtet, dass die Berliner Schulen gerade mal so ausreichend viele Lehrer haben – dank der Neueinstellungen im Sommer. Lehrer in Reserve haben die wenigsten Schulen. Eine Kleine Anfrage der Grünen im Abgeordnetenhaus hat jetzt ergeben, dass an vielen Schulen auch die Stellen des Schulleiters und des stellvertretenden Schulleiters nicht besetzt sind, auch mangelt es an Fachbereichsleitern und Fachleitern. Nur 72 Prozent dieser Stellen sind laut einer Statistik der Bildungsverwaltung vom November besetzt. „Wie sollen die Schulen die vielen Reformen umsetzen ohne Schulleiter?“, fragt Özcan Mutlu, der bildungspolitische Sprecher der Grünen. „Wie sollen Schulen ihre laut neuem Schulgesetz gewachsene Eigenverantwortung wahrnehmen, wenn es an Leitungspersonal mangelt?“ In etlichen Schulen seien die Stellen seit Jahren vakant, klagt Mutlu.

Bildungssenator Klaus Böger (SPD) rühmt sich damit, dass er die Quote der Besetzungen in den vergangenen drei Jahren schon mächtig erhöht hat. Im Jahr 2001 waren nur etwas mehr als die Hälfte der so genannten Funktionsstellen besetzt. Da sind die 72 Prozent heute natürlich ein Fortschritt. Besonders gravierend ist die Situation aber immer noch in den Grundschulen. An 60 der 408 Grundschulen gibt es keine Schulleiter oder stellvertretende Schulleiter. Gerade hier sind die Direktoren aber immens wichtig angesichts der Umstellung der Grundschulen auf Ganztagsbetrieb. So hängt es zum Beispiel an ihnen, Lehrer und Erzieher dazu zu bringen, dass sie gemeinsam an der Ausbildung der Kinder arbeiten. Denn Lehrer und Erzieher wissen voneinander vor allem das, was Vorurteile besagen. Der Schulleiter ist sozusagen das diplomatische Nadelöhr. Bestenfalls ist er auch der Motor der Reformen. Er sollte nicht ausfallen. clk

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