Werbinich : Schulpsychologen wollen Konflikte entschärfen

Annette Kögel

Was steckt hinter der menschenverachtenden Bejahung des so genannten Ehrenmords der drei Jugendlichen? Wollten sie provozieren, sind die Äußerungen Ausdruck eigener Not, haben sie Überzeugungen der Eltern unreflektiert wiedergegeben? Das sind alles Fragen, mit denen sich Johann Koch auseinander setzt. Der Schulpsychologe mit psychotherapeutischem Hintergrund will jetzt langfristig Gespräche mit den Schülern der Thomas-Morus-Schule führen. Mit den drei Jugendlichen, die verbal Beifall spendeten für den Ehrenmord an der jungen Türkin. Und mit den ebenfalls nicht-deutschen Mitschülerinnen, die von ihnen schon öfter wegen ihres mitteleuropäischen Lebensstils angegangen wurden.

Nach Auskunft von Johann Koch hat der Leiter der Morus-Schule, Volker Steffens, den drei aufgefallenen Jugendlichen schon die Rufnummer der schulpsychologischen Beratungsstelle in Neukölln gegeben. In ganz Berlin arbeiten 15 Schulpsychologen für Gewaltprävention und Krisenintervention wie Koch. Eine Verpflichtung, mit dem Psychologen zu reden, gibt es nicht, sagt der 56-Jährige. „Aber wenn sie sich nicht melden, werde ich mich freundlich melden.“ Johann Koch lädt die Jugendlichen am liebsten zu sich ins Büro ein, dann besteht ein wenig Abstand zum Schulleben. Auch die Schweigepflicht helfe den Jugendlichen dabei, sich zu überwinden und Innerstes zu offenbaren. „Nach den Einzelgesprächen wollen wir gemeinsam mit Lehrern in der Klasse langfristig mit den Schülern reden und das Geschehene aufarbeiten.“

Ob die drei nun womöglich erst recht „in eine Auflehnungsrolle hineinkommen“, weil sie empfinden könnten, dass der Rest der Welt sich gegen sie verschworen hat, vermag Koch noch nicht einzuschätzen. Aber auch den Eltern wolle man in Gesprächen, gern mit Vertretern des Türkischen Bundes oder der Türkischen Gemeinschaft, klar machen, dass es um das Wohl ihrer Kinder geht. Johann Koch arbeitet auch intensiv mit den Präventionsbeauftragten der Berliner Polizei zusammen. Schulleiter Volker Steffens kündigte am Montag an, verstärkt auch „Hausbesuche bei den Eltern zu machen“. Er setzt dabei auf Unterstützung durch zweisprachige Pädagogen.

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