Werbinich : Schulstart mit Brot und ohne Bücher

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Fast jedes dritte Kind kommt ohne Pausenbrot in die Schule – und jedes fünfte ist zu dick. Was widersprüchlich klingt, passt doch genau zusammen, denn die Kinder ohne Pausenbrot stopfen sich bei der ersten Gelegenheit mit Süßigkeiten oder Pommes voll.

Damit es soweit gar nicht erst kommt, hat Verbraucherschutzministerin Renate Künast gestern zum dritten Mal zusammen mit Bildungssenator Klaus Böger und vielen Sponsoren an alle 27400 Erstklässler Brotboxen verteilen lassen. Dort ist das drin, was allen Kindern gut tut: gesundes Schwarzbrot, Brot und Gemüse. Vielleicht gelingt es ja, die Erstklässler und ihre Eltern rechtzeitig auf den richtigen Ernährungstripp zu bringen.

In anderer Hinsicht ist der Schulstart nicht so gelungen. Anstatt sich auf die Vielzahl der Reformen konzentrieren zu können, doktern viele Schulen noch an dem unausgegorenem Konzept der Lernmittelbeschaffung herum. Offenbar hat das abgelaufene Schuljahr nicht gereicht, um ein funktionierendes Prozedere zu finden.

So ist aus einer Kreuzberger Grundschule zu hören, dass es nicht geklappt hat, rechtzeitig die Bücher für die sozial schwachen Kinder zu bestellen. Die sitzen jetzt ohne Bücher da, während die anderen Mitschüler längst versorgt sind. Auf diese Weise können alle Kinder auf den ersten Blick sehen, wie es um die Finanzen der jeweiligen Eltern bestellt ist. Das ist genau das, was der Datenschutzbeauftragte verhindern wollte. Mal sehen, was er dazu sagt.

Die „Schuldfrage“ ist pauschal kaum zu beantworten. Mal haben die Eltern nicht rechtzeitig die Bescheinigungen beigebracht, die sie als bedürftig ausweisen. Mal haben die Lehrer sich zu viel Zeit gelassen mit der Bestellung. Mal haben Eltern und Schulleiter zu lange gezögert, einen gemeinsamen Lehrmittelfonds einzurichten. Fest steht, dass die Schüler die Leidtragenden sind. sve

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