Werbinich : Schwacher Start

Katharina Uharek[15 Jahre]

Es klingelt zur Stunde. Kein Lehrer in Sicht. Eigentlich hat mein Gymnasium keinen allzu schlechten Ruf, aber die Zehntklässler laufen durch die Klasse und unterhalten sich. Es ist laut, Papierkügelchen, Stifte und Flaschen fliegen durch die Gegend. Auf einmal wird es ein bisschen leiser.

Nein, es hat kein Lehrer die Klasse betreten – der Fernseher wurde eingeschaltet.

Viele setzen sich hin und gucken gebannt: Es läuft Scrubs, eine Arztserie. Andere hören Musik oder gehen schnell noch einmal in die Cafeteria. Zehn Minuten nach Stundenbeginn kommt ein Lehrer in die Klasse, schreibt hastig einige Aufgaben an die Tafel und verschwindet wieder. Ein paar Schüler kramen in ihren Taschen und suchen nach Büchern, um die Aufgaben zu lösen. Ungefähr 20 von 30 Schülern zeigen keine Reaktion und sehen weiter fern. Eine davon bin ich. Wozu Vertretungsaufgaben machen, die niemand kontrolliert, wenn ich auch einfach nichts tun kann?

Für mich hat das Schuljahr sehr entspannt begonnen. Als ich aber in der dritten Woche immer noch keinen Musikunterricht hatte, kamen mir Zweifel. Es scheint nicht besonders wichtig zu sein, ob wir etwas lernen. Und die Schüler? Finden sie Schulausfall gut, weil sie früher nach Hause gehen dürfen, oder doch nicht so gut, weil sie gerne etwas lernen würden? In einem Punkt sind sich jedenfalls alle einig: Vertretungsstunden haben keinen Sinn, dann lieber zu Hause bleiben. Ich finde, wenn man morgens früh aufsteht, um acht Stunden in der Schule zu verbringen, sollte man auch damit rechnen können, etwas zu lernen.

Nach den ersten katastrophalen Wochen zum Schuljahresanfang ging es langsam wieder in die Richtung eines normalen Schulalltags. Eine Musiklehrerin ist irgendwann auch aufgetaucht. Katharina Uharek, 15 Jahre

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