Werbinich : „Sechs Monate Nachhilfe sind nötig“ Studienkreis-Leiterin:

Schulen versagen oft

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Immer mehr Kinder brauchen Nachhilfe. Das zeigen Umfragen.

Das stimmt. Von 2001 bis 2003 haben sich unsere Schülerzahlen verdoppelt.

Werden die Schüler immer dümmer?

Nein, aber bei vielen ist zu Hause keiner, der über die Hausaufgaben schaut oder etwas erklären könnte. Andere sind einfach stinkfaul. Außerdem denken alle Eltern, ihre Kinder müssten Abitur machen, damit sie eine Arbeit finden. Aber auch die Schulen versagen.

Was machen die Lehrer falsch?

Viele sind nicht motiviert, sie geben Hausaufgaben auf und kontrollieren sie nicht. Sie interessieren sich gar nicht für die Kinder. Ein Beispiel: Ein Schüler hat sich angestrengt und sich verbessert. Er müsste eine drei kriegen. Im nächsten Zeugnis steht aber doch wieder eine vier. Es stellte sich heraus, dass die Lehrerin noch nicht mal seinen Namen kannte. Ein anderes Problem ist der hohe Unterrichtsausfall. Wenn Schüler drei Monate keinen Mathematikunterricht haben, wie soll da eine Kontinuität entstehen?

Reden Sie mit den Lehrern?

Natürlich. Wenn man einen Schüler dauerhaft fürs Lernen gewinnen will, geht das nur, wenn alle mithelfen.

Wie lange braucht es, bis ein Schüler, der droht sitzen zu bleiben, wieder auf dem richtigen Weg ist?

Mindestens sechs Monate, wenn der Lernerfolg bleiben soll. Ganz wichtig ist, dass man das Selbstbewusstsein aufbaut. Das entsteht, wenn das Kind zum ersten Mal wieder eine gute Arbeit schreibt. Wenn er davor monatelang nur Fünfen geschrieben hat, motiviert das sehr.

Was können Schüler jetzt noch machen, um das kommende Zeugnis zu retten?

Einzelunterricht nehmen, Crash-Kurse, auch am Samstag.

Das Gespräch führte Claudia Keller.

Dietlind Pigard leitet das Nachhilfe-Institut „Studienkreis“ in Steglitz, eine von 28 Filialen in Berlin. Bei Pigard lernen 180 Gymnasiasten, Grund- und Gesamtschüler.

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