Werbinich : Sensibilität allein reicht nicht mehr

-

Die Entwicklung ist beunruhigend: Die Gewalt an Berlins Schulen nimmt zu. Schon in Grundschulen gehen Kinder mit Messern aufeinander los. Vergangenes Jahr verzeichnete die Polizei 4200 oft lebensgefährliche Raubüberfälle, PrügelOrgien und Erpressungen. Dieses Jahr ist die Zahl weiter gestiegen, wie aus einer Statistik hervorgeht, die die Schulverwaltung Ende Oktober veröffentlichen wird.

An vielen Schulen stellen sich die Lehrer dem Problem, bilden Schüler zu Streitschlichtern aus und besuchen selbst Fortbildungen. Doch das alleine hilft offenbar nicht mehr.

Jetzt haben über 100 Teilnehmer einer Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Thema „Mobbing bei uns“ Bildungssenator Klaus Böger (SPD) einen Brief geschrieben und „konkrete Hilfen und Angebote“ gefordert. Politische Willenserklärungen würden nicht reichen, schreiben sie. Jede Schule müsse mindestens vier Wochenstunden zur Gewaltprävention nutzen, darauf solle der Bildungssenator drängen. Die Bildungsverwaltung möge außerdem die Fortbildung von Schülern zu Streitschlichtern an Jugendbildungsstätten finanziell unterstützen und eine zentrale Anlaufstelle für die Beratung und Finanzierung von Gewaltprävention einrichten.

Die Forderungen seien wegen der gegebenen Finanzlage des Landes „so verständlich wie unerfüllbar“, sagte Jens Stiller, Bögers Sprecher. Außerdem könnten die Schulen nicht verpflichtet werden, vier Wochenstunden für dieses Thema einzusetzen. Sie müssten ihre Schwerpunkte selbst wählen. Gleichzeitig freut man sich in der Bildungsverwaltung über die „gewachsene Sensibilität“, die Lehrer und Eltern für das Thema haben.

Außerdem gebe es bereits 70 Mediatoren, 15 Schulpsychologen und „Standpunktpädagogen“. Bei 780 öffentlichen Schulen bekommt also etwa jede neunte professionelle Hilfe. Die gestiegene Sensibilität, die Böger lobt, führt eben auch dazu, dass sich Lehrer und Eltern mit dieser nicht eben üppigen Ausstattung nicht mehr abfinden. clk

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben