Werbinich : SO VERBRINGT MAN DIE FREIZEIT

Es gibt bei uns ein Realschulzentrum, da hat man sich nachmittags getroffen. Dort konnte man Skateboard fahren, rauchen und saufen. Oder einfach nur in der Gegend rumstehen. An den Wochenenden sind wir nach Herford ins „Kick“ gefahren, von den uncoolen Discos war das noch die coolste. Ein echter Provinzladen mit drei Tanzflächen, Spiegelwänden und Diskokugel. Freitags spielten sie Chart-Musik, samstags lief Gothic, Indie und Alternative. Jede zweite Woche gab es Freibier-Partys, sieben Euro Eintritt, 3000 Liter Freibier und Schlägereien inklusive. Eine große Rolle im Dorf spielt auch der Schützenverein. Meine Freunde und ich waren da angemeldet, sind aber nie schießen gegangen und hatten deshalb auch keinen Rang – wir waren in der allerletzten Compagnie die Allerletzten. Dafür gab es alle zwei Jahre ein Schützenfest, wo man sich kostenlos betrinken konnte: Man zog sich die Uniform an und ließ sich dann vier Tage hintereinander volllaufen. Dass man als Dorfkind naturverbundener ist, halte ich für einen Mythos. Auf Bäume klettern, seine Zeit draußen verbringen: das fand ich immer scheiße, das war nichts für mich. Ich war ein Nintendo-Kind.

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