Werbinich : So viele Projekte, so viel Herzblut

Vertreter von 43 sozialen Vereinen freuten sich über Spendenschecks – und das Engagement der Tagesspiegel-Leser

Annette Kögel

So oft ist das kleine Wörtchen „Danke“ wohl schon lange nicht mehr ausgesprochen worden. Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (Linkspartei/PDS) dankte dem Tagesspiegel und seinem Spendenverein für das Engagement „mit Hirn und Herz“. Joachim Meinhold, Sprecher der Tagesspiegel-Geschäftsführung, und Chefredakteur Lorenz Maroldt gaben das Dankeschön an die Leserinnen und Leser weiter. Dem schlossen sich wiederum die Vertreter der 43 Vereine und Institutionen an, die am gestrigen Nachmittag im alten Spritzenhaus bei den Maltesern in Charlottenburg ihre Schecks entgegen nahmen: 213 566 Euro wurden insgesamt verteilt. Das ist erneut mehr als im Vorjahr – und das trotz der vielen Spendenaktionen des vergangenen Jahres, etwa für die Opfer des Hurricans.

Das Geld kommt jetzt über die Mitarbeiter des sozialen Berlins den Schwächsten der Gesellschaft zugute: Behinderten, Kranken, Alten, Armen, Obdachlosen. Aber auch vernachlässigten Kindern, Jugendlichen aus problematischen Elternhäusern, Menschen mit Drogenproblemen oder HIV-Infektionen. „Die große Zahl der Vereine, die sich für die Spendenaktion beworben hat, verdeutlicht auch, wie sehr die Schere in dieser Stadt inzwischen auseinander geht zwischen denen, die privilegiert sind, und jenen, die nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilhaben können“, sagte Chefredakteur Maroldt. Seit mehr als 13 Jahren beweisen „die Leser des Tagesspiegels durch ihre Spendenfreudigkeit, dass ihnen das Schicksal dieser Menschen nicht gleichgültig ist – auch, weil sie wissen, dass das Geld an den richtigen Stellen ankommt“, fügte Senatorin Knake-Werner hinzu. Da nickten die anwesenden sozialpolitischen Sprecher der Fraktionen im Abgeordnetenhaus zustimmend. Gedankt wurde auch Lesern, die persönlich zupackten. Und dann standen jene im Mittelpunkt, die letztlich alles möglich machen.

Jeder Vertreter der ausgewählten Initiativen wurde einzeln nach vorne gebeten, bekam den Scheck, musste Empfang und zweckgemäße Verwendung per Unterschrift und Stempel bestätigen – und stellte seine Organisation und das, was nun möglich ist, persönlich kurz vor. Da gab es viele strahlende Gesichter.

So kann „EJF Lazarus“ jetzt den Obdachlosen am Nordbahnhof eine warme Mahlzeit am Tag ausgeben, das Projekt Fluchtpunkt nahe der tschechischen Grenze für sexuell missbrauchte Kinder bekommt Möbel. Gangway e.V. ist in der Lage, ein mobiles Beratungsbüro für die Straßensozialarbeit einzurichten. Die Integrationshilfe Berlin wird endlich mehr Anti-Gewalt-Seminare für Jugendliche anbieten, die Stadtmission die Industriewaschmaschine bestellen und Medikamente kaufen, der Hospizdienst Christophorus Sterbenden letzte Wünsche erfüllen, die Evangelische Kirchengemeinde Steglitz das Obdachlosencafé offen halten. So viele Projekte, so viel Herzblut. Nicht nur bei den Leuten von Sorgentreff e.V., die ihr Beratungsangebot für sexuell missbrauchte Kinder aus privater Tasche finanzierten. Das beeindruckte auch die Vertreterin einer so großen Organisation wie der Deutschen Welthungerhilfe, mit der der Tagesspiegel bei der Tsunami-Hilfe für Sri Lanka eine langfristige Medienpartnerschaft verbindet.

Dafür, dass der Nachmittag trotz aller ernsten Themen amüsant und unterhaltsam wurde, sorgte etwa die aus Sri Lanka stammende Schülerin Yvonne Mariathas mit ihrer Tanzeinlage. Auch die Musikklasse 9.14 der Sophie-Scholl-Gesamtschule von Lehrer Karl Henn gab alles. Und Geschäftsführungssprecher Joachim Meinhold entließ die Sozial-Arbeiter nicht ohne das Versprechen in den Arbeitsalltag, „die Spendenaktion auch in diesem Jahr weiterzuführen.“

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