Werbinich : Sommerferien? Wenn es nur das wäre!

Max Deibert[16 Jahre]

Dieses Jahr sind für mich die Sommerferien eher nebensächlich. Ich werde zehn Monate in Amerika verbringen, dort zur Schule gehen, bei einer Familie leben und (hoffentlich) die Sprache lernen. Wohin? Weiß ich nicht! Zu wem? Keine Ahnung!

Jeder kennt diese nagende Ungewissheit vor den Zeugnissen oder nach Klassenarbeiten. Meine jetzige Ungewissheit nagt nicht, sie reißt ganze Stücke raus und schluckt sie im Ganzen und das von innen nach außen, furchtbar ...

In Michigan soll es im Winter bis zu minus 50 Grad kalt werden, bei solchen Temperaturen wäre die Sprache wohl mein geringstes Problem. Oder Ohio: Dort leben rund 72 000 Amish People, das sind Menschen, die sich zum Lebensziel gemacht haben, ohne Strom Internet, Autos und andere für mich lebenswichtige Errungenschaften zu leben. Vielleicht nehmen die auch Gastschüler auf. Die Liste der möglichen Gefahren in den verschiedenen Bundesstaaten ist lang und schrecklich.

Das Haupthorrorthema ist die Gastfamilie. Bei uns hat letztens eine Ahnenforscherin aus Amerika angerufen, wir fanden heraus, dass sie sieben Kinder hat und aus Utah kommt, einer Hochburg der recht bekannten Mormonensekte, deren Ziele ich zwar nicht kenne, aber ich rechne dennoch mit dem Schlimmsten.

In Utah mit sieben Gastgeschwistern, am besten zwischen zwei und zehn Jahre alt? Der perfekte Zeitpunkt, um mit dem Trinken anzufangen, was übrigens für unter 21-Jährige verboten ist!

Vielleicht verschreibt mir einer Prozac. Ich könnte natürlich auch Glück haben und zu einer kinderlosen, kulturinteressierten Anwaltsfamilie in New York City kommen ... wohl eher unwahrscheinlich ...

Max Deibert, 16 Jahre

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